Hintergrund : Die "Berliner Rede"

Die noch junge Tradition der "Berliner Rede" wurde vom ehemaligen Bundespräsidenten Roman Herzog eingeführt. Die Rede soll die Bedeutung Berlins als Hauptstadt in Europa hervorheben und aktuelle Themen illustrieren.

HamburgBundespräsident Roman Herzog begründete die noch junge Tradition der "Berliner Rede" am 26. April 1997. Im Berliner Hotel Adlon forderte er die Deutschen auf, einen "Ruck durch das Land" gehen zu lassen. Die von der Marketing-Gesellschaft "Berlin Partner" initiierte Rede soll die Bedeutung der Metropole als Hauptstadt in der Mitte Europas in den Vordergrund stellen und Berlin als geistiges Zentrum Deutschlands positionieren.

Bundespräsident Johannes Rau setzte die Reihe fort. Anders als sein Vorgänger, der nach seiner "Ruck-Rede" in den folgenden Jahren Gäste wie Finnlands Präsident Martti Ahtisaari und UN-Generalsekretär Kofi Annan sprechen ließ, ergriff Rau immer selbst das Wort. Er wählte dafür verschiedene Orte in der Stadt. Seine erste "Berliner Rede" zum Thema Integration hielt Rau 2000 im "Haus der Kulturen der Welt". In den folgenden Jahren sprach er über Gentechnologie in der Staatsbibliothek, Globalisierung im Museum für Kommunikation sowie zu Deutschlands Verantwortung in der Welt auf einer Theaterbühne.

Zu seiner letzten "Berliner Rede" über die Glaubwürdigkeitskrise in Politik und Gesellschaft lud Rau ins Schloss Bellevue ein. Auch Bundespräsident Horst Köhler wählte den Ort seines Auftritts bewusst. Nachdem 2005 die Reihe wegen vieler Gedenkveranstaltungen zum Ende des Zweiten Weltkriegs unterbrochen wurde, hielt er seine erste "Berliner Rede" zum Thema Bildung im vergangenen Jahr in der Kepler-Oberschule. Diese Schule liegt im sozialen Brennpunkt Berlin- Neukölln mit hoher Arbeitslosigkeit und vielen Zuwanderern. Am Montag wählte Köhler als Ort einen zum Kulturzentrum umgebauten Industriebau an der Spree. (mit dpa)