Hintergrund : Mönche sind Birmas moralische Instanz

Buddhistische Mönche stehen an der Spitze der Proteste gegen die Militärjunta in Birma. Sie spielen in dem südostasiatischen Land eine herausragende Rolle: Die Menschen verehren die Robenträger als Lehrer und Vorbilder und sehen sie als wichtigste moralische Instanz.

Christiane Oelrich[dpa]

RangunBarfuß, kahl geschoren und nur in safranrote Roben gehüllt - so gehen in Birma immer mehr Mönche auf sanften Konfrontationskurs mit dem Militärregime. Das friedliche Bild der frommen Männer, die mit den Händen vor der Brust zum Gebet gefaltet in Endlosschleife religiöse Verse rezitieren, trügt. Die Mönche sitzen nicht mehr in ihren Klöstern und helfen Gläubigen, Meriten für das Jenseits zu sammeln. Sie marschieren zu Tausenden entschlossen gegen das Regime. Vor politischer Einmischung schreckten sie nie zurück. Jetzt lehren sie die Militärjunta das Fürchten.

Auch hohe Militärs buhlen um die Gunst der Mönche

Denn anders als die Dissidenten, die der Sicherheitsapparat immer gleich brutal niederknüppelt, sind die Mönche in der birmanischen Gesellschaft unantastbar. "Mönche gelten als Söhne Buddhas, keiner wagt gegen sie vorzugehen", erklärt das Online-Journal BurmaDigest, das die Menschenrechte in Birma unter die Lupe nimmt. "Sie sind die Wächter des Buddhismus." In dem tief religiösen Land sind 90 Prozent der Menschen gläubige Buddhisten. Auch die höchsten Generäle versuchen, sich das Wohlwollen der Klöster stets durch devote Gesten und großzügige Spenden zu sichern.

In einer kleinen Machtdemonstration verweigerten die Mönche den Verantwortlichen des Militärregimes vergangene Woche die Chance, sich mit guten Taten Sporen zu verdienen. Sie drehten kurzerhand die Almosenschalen um, mit denen sie sich ihren täglichen Unterhalt zusammenbetteln müssen, wenn einer vom Regime etwas hineinlegen wollte. Das birmanische Wort für "Boykott" lautet wörtlich übersetzt: "Die Almosenschale umdrehen".

In den 40er Jahren standen die birmanischen Mönche beim Widerstand gegen die britischen Kolonialherren in der ersten Reihe. "Wir haben die Engländer angegriffen, damit sie gingen", erzählte der angesehene Mönch Sayadaw (90) in einem Interview mit dem US-Sender Radio Free Asia unlängst. "Ich war dabei, gut 20 Jahre alt." Als Märtyrer für Birma ging der Mönch U Wisara in die Geschichte ein, der damals nach einem Hungerstreik im Gefängnis starb. Auch bei den Protesten 1988 waren die Mönche dabei. Das Regime schlug den Aufstand brutal nieder. Unter den schätzungsweise 3000 Opfern waren zahlreiche Mönche.

Wie viele der schätzungsweise 400.000 Mönche jetzt wieder offen mit dem Militärregime brechen wollen, ist schwer zu sagen. Unklar ist auch, wer die Männer in den roten Roben tatsächlich sind. Es gibt in Birma Berufsmönche und sogenannte Novizen. Jeder Mann sollte sich mindestens drei Mal im Leben vorübergehend einem Orden anschließen: In der Pubertät, vor der Hochzeit, und beim Tod der Mutter. Nicht ausgeschlossen, dass Aktivisten gemeinsam den Zeitpunkt jetzt für einen Aufenthalt im Kloster wählten.

"Die Menschen folgen ihnen"

Am Anfang der Proteste waren vergangene Woche fast nur junge Männer zu sehen. Inzwischen finden sich in den Kolonnen der Marschierenden alle Altersklassen. Die Staatszeitung "Licht von Birma" behauptete vergangene Woche, auf den Straßen seien "falsche" Mönche unterwegs. Der Popularität der Männer in den Safranroben tut das keinen Abbruch. "Mönche sind die höchste moralische Autorität," sagt Soe Aung von der Exilgruppe Rat für ein Vereintes Birma in Thailand dem Sender "ChannelNewsAsia". "Wenn sie eine führende Rolle einnehmen, folgen die Menschen ihnen."