Historische Stätten : Potsdam ganz oben

In der Liste historisch bedeutsamer Orte setzt das US-Magazin "National Geographic Traveller“ Potsdam auf Platz acht. Die Stadt behauptet damit den deutschen Spitzenplatz - weit vor München, Aachen und Dresden.

Claus-Dieter Steyer
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Die Skulpturen im Schlosspark Sanssouci werden winterfest gemacht. -Foto: ddp

Potsdam– Die Stadt Potsdam kann sich über ein überraschendes Kompliment freuen. Denn die neueste Ausgabe des US-Magazins „National Geographic Traveller“ weist ihr auf einer Rangliste der weltweit historisch bedeutsamsten Orte den achten Platz und damit den deutschen Spitzenrang weit vor München, Dresden und Aachen zu.

280 Experten kürten die niederösterreichische Region Wachau zum Sieger. Dahinter folgten der Rideau-Kanal in Kanada und die belgische Stadt Gent. Kriterien für Rangfolge waren unter anderem der Zustand historischer Bauten, der Umgang mit dem Massentourismus, die ökologischen Verhältnisse, die Wertschätzung der Archäologie und das touristische Management. Es ging also weniger um einen Beliebtheitswettbewerb. Punkten konnten vor allem jene Orte, die ihre Schätze nicht wie ein „lebloses Museum einbalsamieren“.

Für den österreichischen Sieger lobte die Jury vor allem die geringe Veränderung, welche die mittelalterlichen Ortsbilder der Wachauer Dörfer und Städte sowie die Klöster bis heute durchlaufen hätten. „Die touristischen Zonen der Naturlandschaft sind unauffällig und werden nicht von gewerblichen Unternehmen gestört“, hieß es. Wachau gehört wie Potsdam zu den Welterbestätten der Unesco.

Barocker Glanz

In Potsdams Zeugnis werden natürlich die Schlösser hervorgehoben. Doch zuerst wollte die Jury wohl den potentiellen Touristen eine gewisse Angst nehmen: „Die Stadt beseitigt rapide den Eindruck eines sowjetischen Lebens.“ Die Stadt sei auf dem besten Wege zu einer nachhaltigen Zukunft. Auch die Hauptstadt taucht in diesem Zusammenhang wenigstens einmal auf: „Potsdam ist leicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln aus Berlin zu erreichen.“

Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) sieht das gute Abschneiden als Wertschätzung für die millionenschwere Erhaltung der Potsdamer Kulturlandschaft. „Es ist uns gelungen, wieder den alten barocken Glanz und die Lebendigkeit in die Stadt zu holen", sagte Jakobs. Nun komme es darauf an, die touristischen Sehenswürdigkeiten, die der Stadt in die Wiege gelegt worden seien, stärker zu vermarkten. In diesen zukunftsträchtigen Wirtschaftszweig müsse mehr investiert werden.

München belegte in der insgesamt 110 Namen umfassenden Liste den Platz 30, Dresden kam auf Rang 38 und Aachen auf den 44. Platz. In München überzeugte die Jury die „akribische Rekonstruktion vieler im Zweiten Weltkrieg zerstörten historischen Stätten“. Vor allem der Englische Garten und die Schlösser seien Kernstück der Münchner Kultur- und Lebensqualität. Auch bei Dresden lobten die Experten den hohen Aufwand zur Wiederherstellung der Kirchen und Paläste, wofür die Frauenkirche symbolisch stehe. Gleichzeitig warnten sie vor dem Bau der umstrittenen Brücke im Elbtal. „Es besteht die Gefahr, für einen kurzfristigen Gewinn viel zu verlieren.“ Wie berichtet, droht die Unesco der Stadt Dresden mit der Streichung von der Welterbeliste, weil die Brücke den Blick auf die Altstadt störe. Potsdam drohen solche Probleme vorerst nicht, auch wenn der beabsichtigte Ausbau des Sacrow-Paaretzer-Kanals einen Eingriff in die Kulturlandschaft darstellt.

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