historisches Kreuzberg : Bergmannstraße im Jahr 1995

Touristen und Berliner schätzen die Bergmannstraße als preiswerten Trödelmarkt und abwechslungsreiche Lokalmeile. Ein Porträt aus 1995.

Während seine Ehefrau Brigitte die roten „Schlußverkauf-Aufkleber von den Schaufenstern entfernte, stand Juwelier Wolfgang Schreiber in der vergangenen Woche nach rund 40 Jahren zum wohl letzten Mal in seinem Laden an der Bergmannstraße 22. Der 60jährige und seine 61jährige Ehefrau gehen aus Gesundheits- und Altersgründen, aber auch wegen sinkender Einnahmen in den Ruhestand. Uhren etwa wurden immer öfter in der gegenüberliegenden Tchibo-Filiale gekauft. Viele Kunden seien nur noch zu ihm gekommen, um sich die Armbänder anpassen zu lassen, ärgert sich Wolfgang Schreiber. Die Straße sei einmal „der Kudamm von Kreuzberg" gewesen, meint Schreiber, nun aber sei „die Gegend im Eimer". Für Flaneure aus Berlin und für viele Touristen ist die Bergmannstraße freilich immer noch die bunte, abwechslungsreiche Einkaufs- und Gastronomiemeile, als die sie in den letzten Jahrzehnten bekannt wurde. Trödel- und Secondhand-Modeläden, Szene- Bars und Restaurants mit internationalem Speiseangebot bestimmen zwischen Mehringdamm und Marheinekeplatz das Bild. Das wohl bekannteste Cafe ist das gerade renovierte „Atlantic". Freunde der mexikanischen Küche zieht es ins „LoneStar" oder ins „Tres Kilos" am Marheinekeplatz, italienische Spezialitäten gibt es im „Parlamento" und arabische Speisen in einem Dutzend Imbißstuben und Restaurants; japanische und indische Gastronomen runden die Vielfalt ab. Eine Auswahl von 30 Sorten Kaffee ist die Besonderheit im ...

Der ganze Artikel in der Zeitungsansicht des ehemaligen Tagespiegelblatts.