Historisches Kreuzberg : Das Haus Mehringdamm 43 im Jahr 1974

Die Ostseite des Mehringdammes südlich der Gneisenaustraße, genauer die Häuser Nr. 41 bis 57 präsentieren sich 1974 in einem gepflegten Zustand; das Amt für Stadtbildpflege ist hier wirksam tätig gewesen. Indes steht nur das der Schriftgießerei und Messinglinienfabrik H. Berthold gehörende Haus Nr. 43 in der Liste der geschützten Baudenkmale.

Dieses Haus ist jetzt 115 Jahre alt. Im Februar 1859 reichte der Fabrikant C. Lange den Bauantrag ein für ein Wohnhaus (damals Tempelhofer Straße 35) nach Plänen des Baumeisters Strauch, im April wurde die Baugenehmigung erteilt und im Oktober desselben Jahres fand die Gebrauchsabnahme statt, war das Haus also bezugsfertig. Doch schon im März 1860 sah sich das I. Land-Polizei-Revier in einem „Gehorsamsten Bericht" genötigt, auf eine ungewöhnliche Häufung von Todesfällen in diesem Haus hinzuweisen der Bericht zählt zehn auf, acht davon betreffen Kinder. Der Bericht erwähnt den zeitweilig schlechten Zustand des Brunnenwassers — doch wird in einem zweiten Vermerk vom April 1860 bemerkt: „Durch eine gründliche und mit vielen Kosten in letzter Zeit vorgenommene Reparatur ist dasselbe jedoch vollständig wieder trinkbar geworden." Weiter wird lapidar bemerkt, „daß das qu. Haus von beinahe 200 Seelen bewohnt wird, und daß bei der großen. Anzahl von kleinen Wohnungen, in denselben auch verhältnismäßig viel arme Leute wohnen, in welchen Familien Abzehrung und Schwindsucht leiden die herrschenden Krankheiten sind." Gleichwohl wurde dem Land-Polizej-Revier für die Aufmerksamkeit Dank erstattet. Weitere Vermerke ähnlicher Art finden sich nicht, auch nicht in anderen Akten, so daß zu vermuten ist, daß das Wasser doch wohl eine Ursache der merkwürdig häufigen Todesfälle gewesen sein mag. Schon 1869 wird der„Mechanikus August Hermann Berthold" als Eigentümer genannt; 1888 heißt es, daß der „Fabrikbesitzer Commerzienrath August Hermann Berthold" das Haus an den Apotheker August Seiberg verkaufte...

Der ganze Artikel in der Zeitungsansicht des ehemaligen Tagespiegelblatts.