Historisches Kreuzberg : Der Mehringhof

Der Mehringhof, das alternative Vorzeigeprojekt in Kreuzberg, ist schon über zwanzig Jahre alt. Die Aufbruchstimmung ist schon lange verflogen, aber eine Stiftung sollte die wertvolle Immobilie sichern.

„Die Toiletten gehören auch zum Wirkungskreis." So steht es als Erinnerung für den Putzdienst am Schwarzen Brett im ersten Geschoß des Mehringhofs in Kreuzberg. Es geht um das „solidarische Aufteilen der Putzaktion". Zwanzig Jahre wird schon um Solidarität gerungen, was das Kloputzen angeht. Da hat sich nichts geändert. Überhaupt scheint sich auf dem Hinterhof der Gneisenstraße 2a seit 1979 wenig geändert zu haben. Man kommt alternativ daher. Bunt gemischt vom anachronistischen Latzhosenträger bis hin zum Punk mit grünen Haaren in seinen zerrissenen Jeans begegnet man sich auf dem über 5000 Quadratmeter großen Hinterhofgelände. Seit zwei Jahrzehnten funktioniert die Selbstverwaltung des Hauses. Es begann nicht, wie damals in der linken Szene üblich, mit einer Hausbesetzung, sondern mit dem Kauf von Häusern. „Dafür sind wir übelst beschimpft worden", erinnert sich Rainer Nietsche, damals Lehrer an der Schule für Erwachsenenbildung (SfE). Schließlich galt der politische Kampf Ende der 70er Jahre dem „kapitalischen System" und dann gehörte man quasi selbst dazu. Aber die SfE benötigte größere Räume. Der zweite Bildungsweg boomte. Zusammen mit einer Handvoll alternativer Projekte kaufte man für 1,7 Millionen DM das Fabrikgrundstück der Firma Berthold. Daraus entstand der Mehringhof.

Der ganze Artikel in der Zeitungsansicht des ehemaligen Tagespiegelblatts.