Historisches Kreuzberg : Die Friedhöfe am Halleschen Tor

Die Friedhöfe am Halleschen Tor liegen in Kreuzberg zwischen Mehringdamm und Zossener Straße. Sie wurden seit Beginn des 18. Jahrhunderts, damals noch außerhalb der Berliner Zollmauer vor den Toren der Stadt, angelegt.

Das E.T.A Hoffmann Grab im November 1998 auf dem Friedhof am Mehringdamm.
Das E.T.A Hoffmann Grab im November 1998 auf dem Friedhof am Mehringdamm.Foto: Mike Wolff

Namentlich sind es die Friedhöfe I,II, III der Jerusalems- und Neuen Kirchengemeinde, Friedhof I der Dreifaltigkeitsgemeinde, Friedhof der Bethlehems- oder Böhmischen Gemeinde, Friedhof der Brüdergemeine.

Nach dem Bau der Amerika-Gedenkbibliothek in den 1950ern verlagerten sich die Eingänge der Friedhöfe zum Mehringdamm 21 und in die Zossener Str. 1 (gegenüber Nr. 65). Auch die Verlegung der Blücherstraße wirkte sich nochmals auf das Bild der Friedhöfe aus. Als sie weg von der Halleschentorbrücke in Richtung Obentrautstraße gelegt wurde, hatte dies die Einebnung vieler Gräber im nördlichen Teil zur Folge. Vom böhmischen Gottesacker sind daher nur noch das Eingangstor und eine Handvoll Gräber verblieben, während der Böhmische Gottesacker im Böhmischen Rixdorf, im heutigen Stadtteil Neukölln bis heute intakt ist.

Friedhof I der Jerusalems- und Neuen Kirche

Der älteste der Friedhöfe der Jerusalems- und Neuen Kirche wurde 1735 angelegt. Die Jerusamlemskirche und die Neue Kirche (auch Deutsche Kirche genannt) am Gendarmenmarkt in Mitte waren durch ein Pfarrsystem verbunden und nutzen ab 1735 gemeinsame Friedhöfe. 1755 und 1796 mit dem à Friedhof II der Jerusalems- und Neuen Kirche erfolgten Erweiterungen, Wege und Alleen wurden angelegt, Bäume gepflanzt und zur Abgrenzung Mauern errichtet. Ältestes erhaltenes Grabdenkmal ist das von Friedrich Wilhelm von Lüderitz (1717-1785), Obrist Friedrich II. Das Mausoleum Ebens Erbbegräbnis von 1798 gilt als eines der letzten Beispiele der Revolutionsarchitektur in Berlin und einziges erhaltenes Mausoleum aus dieser Zeit.

Zu den bedeutenden Persönlichkeiten, die hier begraben wurden, gehören der Porträtmaler am Hofe Friedrich II., Antoine Pesne (1683-1757), und der Baumeister Wenzeslaus vom Knobelsdorff (1699-1753), an die hier ein Gedenkstein erinnert, der Gewerkschaftsgründer Franz Duncker 1822-1880, der Kirchenmusiker Carl Friedrich Fasch (1736-1800;Ehrengrab), der Naturforscher Petrus Simon Pallas (1741-1811; ehrengrab), der Maler Ludwig Passini (1832-1903) und die Schauspielerin Anna Schramm (1835-1916). Der Friedhof ist als Gartendenkmal geschützt.

Friedhof II der Jerusalems- und Neuen Kirche

Die südliche Erweiterung des Friedhos I der Jerusalems- und Neuenkirche erfolgte 1796. Der F. hat heute eine Fläche von 4924m². Zu den Grabstädten bedeutender Persönlichkeiten, die hier zu finden sind, gehören das nach einem eigenen Entwurf um 1802 gestaltete Familiengrabmal David Gillys 1748-1808, die Gräber der Schauspielerin Friederike Bethmann-Unzelmann 1768-1815, des Schauspielers Ferdinand Fleck (1757-1801), des Augenarztes Albrecht von Graefe (1828-1870; Ehrengrab), des Arztes Ernst Ludwig Heim (1747-1834), der Saloniere Henriette Herz (1764-1847; Ehrengrab) und des Theaterdirektors August Wilhelm Iffland (1759-1814;Ehrengrab). Die Friedhöfe I, II, III der Jerusalems- undNeuen Kirchengemeinde sind als Gartendenkmal geschützt.

Dreifaltigkeitsfriedhof I

Der Friedhof liegt als schmaler Streifen zwischen Baruther Straße und Blücherstraße, im Westen begrenzt vom Bethlehemfriedhof und dem Friedhof III der Jerusalems- und Neuen Kirche. Im Osten schließen sich der Friedhof I und der Friedhof II der Jerusalems- und Neuen Kirche an. Die Dreifaltigkeitskirche (Mitte, 1739 eingeweiht, im Zweiten Weltkrieg zerstört) war von vornherein mit einem Kirchhof „vor dem Thore“ (also außerhalb der Stadtmauern) geplant worden. Der Dreifaltigkeitsfriedhof wurde um das Jahr 1742 an der Baruther Straße angelegt und hat eine Fläche von 7750m². Zu den bedeutenden Persönlichkeiten, deren Grabstätte hier zu finden sind, gehören: der Komponist Felix Mendelssohn Barholdy (1809-1847), dessen Schwester, die Komponistin Fanny Hensel (1805-1847), der Schriftsteller Karl-August Varnhagen von Ense (1785-1858) und seine Ehefrau Rahel (1771-1831), der Generalpostmeister und Staatsminister Heinrich von Stephan (1831-1897), der Theologe August Twesten (1789-1876), der Schriftsteller und Bühnendichter Ernst Raupach (1784-1852), der ehemalige preußische Ministerpräsident Botho Graf zu Eulenberg (1831-1912) und der Brauer Georg Leonard Hopf (1799-1844).

Bethlehemsfriedhof

Er wird im Süden und Westen begrenzt durch den Friedhof III der Jerusalems- und Neuen Kirche, im Osten vom Dreifaltigkeitsfriedhof I und im Norden von der Blücherstraße. Der Friedhof war die Begräbnisstätte für die aus religiösen Gründen verfolgten, ausgewanderten und in Berlin seit 1732 neu angesiedelten böhmischen Protestanten. Er wurde, wie die anderen Friedhöfe vor dem Halleschen Tor, im ersten Drittel des 18. Jahrhunderts angelegt und 1827 nach Westen geringfügig erweitert. Die dazugehörige Kirche, die Bethlehemskirche (auch Böhmische Kirche genannt) befand sich in Mitte (Mauerstraße/Krausenstraße). Sie wurde von 1735 bis 1737 erbaut, im Zweiten Weltkrieg zerstört und 1963 abgetragen. Zu den bemerkenswerten Grabstätten auf dem B. gehören: die Gedenksteine für den Maler Wilhelm Mühlenhaupt und Familie (gestaltet von Kurt Mühlenhaupt); die Grabmäler des Malers Ludwig Passini (1832–1903) und der Schauspielerin Anna Schramm (1835–1916), sowie einige Wandgräber, die an die traditionsreiche Vergangenheit dieses Friedhofsteils erinnern: für den Gründer der Goßnerschen Missionsgesellschaft Johannes Goßner (1773–1858) sowie das Mausoleum "A. Hermann".