Historisches Kreuzberg : Hasenheide

Dealer, Spieler, der Pfau und die Polizei - in der Berliner Hasenheide hat jeder seinen Auftritt, wie in einem Zirkus der nie endet.

Bevor man im Volkspark Hasenheide in Berlin von einem Drogendealer angesprochen wird, hört man es kreischen. Es ist früh am Morgen, die Wiesen dampfen vom Tau, die Welt liegt da wie frisch geduscht. Das Kreischen klingt, als würde jemandem der Hals umgedreht. Man folgt dem Geräusch, bis zu dem Gebäude, in dem die Leute vom Gartenamt ihre Sachen haben. Ein Lieferwagen steht da und eine Schubkarre. Dazwischen geht ein Pfau im Kreis und kreischt. Sobald jemand stehen bleibt, hört er auf und schlägt ein Rad. Der Pfau macht Kunststücke. Wie eigentlich alle in der Hasenheide.

Der Golfspieler etwa. Der Golfspieler steht auf der Wiese, die sich an den Längsseiten wölbt wie ein Trog.

Im Winter ist die Wiese schwarz von Kindern, die hier rodeln, an Sommermorgen liegt sie still und verlassen da. Der Golfspieler schlägt ab. Während der Ball durch die Luft fliegt, hebt der Golfspieler an zu singen. Tiefe Töne, hohe Töne, gurgelnde Töne. Der Golfspieler ist auch Sänger. Und Südkoreaner. Beziehungsweise „Koreaner Eins“, wie sie ihn in der Hasenheide nennen. „Koreaner Zwei“ steht, nicht weit entfernt, zwischen den Rhododendron-Büschen und spielt Trompete. Es ist ein junger Musikstudent, der täglich in die Hasenheide kommt, um zu üben. Akkorde und Tonleitern, Stunden und Tage lang. Es ist hier das Hinterland der Werkstatt der Kulturen, des gepflegten Kulturzentrums aus Backstein, in dem jedes Jahr der Karneval der Kulturen geplant wird. Wenn sich am Pfingstsonntag wieder der große Umzug mit Musik und Tanz vom Hermannplatz über die Hasenheide bewegt, wird man dahinter, im Volkspark Hasenheide, die Realität des Berliner Nebeneinanders beobachten können wie jeden Tag.

Der ganze Artikel in der Zeitungsansicht des ehemaligen Tagespiegelblatts.