Historisches Kreuzberg : Karl-Philipp-Moritz-Haus an der Ecke Moritzplatz

Schaufenster voller Orangen, Auslagen mit Kürbissen, Kohl und Kartoffeln, aufgerollte Teppiche, Lampen und Tand - wer mit dem Bus 129 durch die Oranienstraße schaukelt, erlebt Kreuzberg im Farbenrausch. Bis zum Moritzplatz, wo seit Oktober das Karl-Philipp-Moritz-Haus den Vorbeifahrenden einen letzten farbigen Gruß zuwinkt, bevor der Bus zwischen grauen Nachkriegs-Zeilen verschwindet:

Gelber Klinker strahlt von der Fassade des Wohnund Gewerbehauses, unterbrochen durch Wintergarten-Bänder mit blaugestrichenen Metallrahmen. Rote Aufzugstürme leuchten durch die Bullaugen-Fenster der Treppenhäuser. Und das weißverputzte Eckhaus leitet ohne Ecke, aber mit Schwung über in den Moritzplatz. „So alt wie die Wende" sei das Projekt, sagt Architekt Markus Torge vom jungen Berliner Büro Torge-Gaa-Wercker. Ende 1989 gewann er mit dem Architekten Thomas Langenfeld den Wettbewerb, zu dem der Berliner Senat für Bau- und Wohnungswesen zehn Büros geladen hatte. Damals war der Moritzplatz noch Grenzland am Übergang Heinrich-Heine-Straße, ein kahler Kreisel kurz vor der Mauer. Um dieses Brachland ans Kreuzberger Stadtleben anzuschließen, wollte die Berliner Wohnungsbaugesellschaft GSW ein ökologisches und soziales Dienstleistungszentrum mit einer verträglichen Mischung aus Wohnen und Gewerbe errichten. Das hört sich nicht nur so an wie ein Fossil aus den ökobewegten Achtzigern, es ist auch eines: Die Idee reicht zurück in die Zeiten der Internationalen Bau-Ausstellung IBA. Seit 1979 wurde das Kreuzberger Kiez mit viel öffentlichem Geld „behutsam" saniert - behutsam für Umwelt und Bewohner. Heute, beinahe zwanzig Jahre nach IBABeginn und acht Jahre nach der Wende, scheiden sich die Geister am Sinn solcher Projekte. Behutsam meint heute zunächst behutsam für öffentliche Kassen und Portemonnaies kleiner Leute. Heute würde sich kaum einer trauen, ein Zentrum mit der Ausstattung des Karl-Philipp-Moritz-Hauses zu entwerfen: Wohnungen mit Wintergarten, Regenwassersammelanlage für die Bewässerung des Blockparks, Holzfenster und andere umweltverträgliche Baustoffe, Photovoltaik- Elemente auf Dach und in Wintergartenbrüstungen, Blockheizkraftwerk im Keller. „Die Wende brachte einiges....

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