Historisches Kreuzberg : Wrangelstraße

Wo arme Nicht-Deutsche neben nicht-reichen Deutschen leben. Eine Reportage von 1999.

Erkan kommt gleich zur Sache. Er legt seinen rechten Arm auf die linke Schulter des Besuchers, verlagert dahin sein Körpergewicht und fragt: „Du machst hier Interviews?" Richtig. „Bist du vom Fernsehen?" Nein. Die zwei türkischen Mädchen, deren Gespräch mit dem fremden Gast Erkan abrupt unterbrochen hat, rufen: „Das ist der Tagesspiegel!" Erkan nickt und meint dann: „Das ist eine gute Zeitung". Danke. Sein Arm hebt sich, „gleich redest du mit mir, ja?" Ja. Die beiden Mädchen sind auch sofort einverstanden. Der 16jährige, kurzgeschorene Hauptschüler genießt Respekt in der „Naunynitze", dem einzigen Jugendzentrum weit und breit und mit Magnetkraft über die Naunynstraße hinaus. Erkan gehört zu den „36 Boys", einer Art B-Jugend der legendären Kreuzberger „36ers"-Gang. Viermal habe ihn die Polizei mitgenommen, immer ohne Grund, „ich hasse die". Eine urdeutsche Eckkneipe in der Wrangelstraße. „Bitte schreiben Sie nicht den Namen", der junge Wirt rückt seine Brille gerade, „sonst stehn' mir die Türken aufm Hals". Letztes Jahr habe er die Polizei gerufen, weil ein Türke ihn mit einem Messer bedroht habe. „Der wollte die Leute zum Geldspiel auffordern, da hab' ich ihn rausgeworfen." Acht Beamte seien gekommen, „die haben den Türken mitgenommen. Plötzlich sind alle Türken aus ihren Kneipen herausgekommen und haben gebrüllt, 'Scheiß Deutsche', ...

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