Oranienstraße 91 : Der Neubau der Bundesdruckerei 1991

An der Oranienstraße 91 hat der historische Zufall einen relativ großen, trapezförmigen Block zwischen Linden-, Kommandanten-, Alter Jakob- und Oranienstraße hinterlassen, der bis vor kurzem an zwei Seiten direkt an die Mauer angrenzte. Schon Mitte des 19. Jahrhunderts gab es hier eine kleine „Königliche Staatsdruckerei".

Wer vom alten Zeitungsviertel nach Kreuzberg SO 36 will, wird am Springer-Verlagshochhaus in eine sanfte Rechtskurve geleitet. Hier verschwenkt die Kochstraße und heißt fortan Oranienstraße; das regelmäßige Raster der barocken Friedrichstadt geht in die nach Lennes Bebauungsplan von 1841 angelegte Luisenstadt über. Auch wenn, wie an vielen vergleichbaren stadtbaugeschichtlichen Nahtstellen in Berlin, solche historischen Zusammenhänge im alltäglichen Straßenbild kaum noch bewußt wahrgenommen werden, sind sie doch in der Parzellenstruktur bis heute gegenwärtig. An dieser Stelle hat der historische Zufall einen relativ großen, trapezförmigen Block zwischen Linden-, Kommandanten-, Alter Jakob- und Oranienstraße hinterlassen, der bis vor kurzem an zwei Seiten direkt an die Mauer angrenzte. Schon Mitte des 19. Jahrhunderts gab es hier eine kleine „Königliche Staatsdruckerei". Durch ständigen Expansionsbedarf haben sich die baulichen Anlagen dieser zentralen Einrichtung immer mehr Platz geschaffen und überwuchern heute als Bundesdruckerei fast den ganzen Block. Es ist ein zusammenhangloses Baukörperkonglomerat aus zwei Jahrhunderten, ein Wirrwarr von Innenhöfen, Hinterhoffassaden und Brandwänden. Immer wieder wurde angestückelt oder abgerissen, haben Verkehrsplanungen (Verbreiterung der Oranienstraße), Kriegszerstörungen und Mauerbau dieses Grundstück gebeutelt. Entsprechend häßlich sieht der Komplex heute aus. Er strahlt nicht einmal den Charme des Wildwuchses oder den Reiz historischer Brüche aus, den man an so manch anderer Stelle der Stadt entdecken kann. Hier ist Geschichte nicht ablesbar gemacht, sondern zugekleistert worden. Verantwortlich dafür sind seit den Zeiten des Generalpostmeisters Heinrich von Stephan im 19. Jahrhundert Architekten der; Postbauverwaltungen, die bis heute für Bauvorhaben der Bundesdruckerei zuständig sind. Behörden gelten denn auch unter freien Architekten eher als Verhinderer denn als Urheber ambitionierter Architektur. Im Falle der Bundesdruckerei schien sich dieses (Vor)Urteil zu bestätigen, wenn nicht die jüngsten Planungen für dieses Areal einen anderen Schluß zuließen. Federführend sind auch hierfür Baubeamte der Deutschen Bundespost. Ewald A. Teske, Architekt und Referatsleiter bei der Oberpostdirektion, und sein Mitarbeiter Bernd Uhlen hatten die Aufgabe, wachsendem Raumbedarf der Druckerei eine bauliche Hülle zu verschaffen, und entwickelten dabei den Ehrgeiz, nicht nur die Genehmigung, sondern auch Planung und Ausführung selbst zu übernehmen. Ziel der verschiedenen Maßnahmen sei es, die Bundesdruckerei nach außen als „anspruchsvolles, solides Bundesunternehmen mit gediegener, zurückhaltender Noblesse" darzustellen.

Der ganze Artikel in der Zeitungsansicht des ehemaligen Tagespiegelblatts.