HIT Parade : Rihanna feat. Jay-Z

Diese Woche auf Platz 1 mit: „Umbrella“

Ralph Geisenhanslüke

Es gibt Sätze, die will man immer wieder hören. Zum Beispiel: „Du kannst immer unter meinem Regenschirm stehen.“ Dies verspricht Rihanna. Beim Anblick ihres Videos, wo sie im knappen Latex-Kleid, High Heels und Netzstrümpfen interessante Verrenkungen mit einem Regenschirm vollführt, denkt möglicherweise nicht jeder Zuschauer nur an Schutz vor ungünstiger Witterung. Doch für ein Sexsymbol ist Rihanna zu brav. Sie gilt als die Barbiepuppe aus Barbados.

Robyn Rihanna Fenty, dortselbst vor 19 Jahren geboren, zeigt trotzdem gern, was sie hat. Das ist in ihrem Genre üblich. Rihannas Mentor ist Hip-Hop-Magnat Jay-Z. Jay-Z weiß, was geht. Seine Musikfertigungsstraße spuckt perfekte Industrieprodukte aus. So hat er auch das junge Talent sofort unter Vertrag genommen und mit seinem Reißbrett-Sound aus HipHop, R’n’B und Ragga umgehend eingechartet. Dass sie momentan den „größten Spaß ihres Lebens“ hat, sei ihr geglaubt und gegönnt. Nur wenige, moralisch sehr integre Jugendliche würden es wohl ablehnen, mit einem der erfolgreichsten Black-Music-Produzenten Platinplatten zu machen oder mit Justin Timberlake zu singen. Wenn sie über ihr derzeitiges Leben spricht, zählt Rihanna ihre Hit-Singles auf. Vielleicht muss man Nachsicht üben, wenn sie sich selbst zu ernst nimmt. „Dass ich mir die Haare schneiden ließ, soll den Leuten zeigen, dass es mir ernst ist“, sagt sie. Ihren Sound findet sie „kantig“ und „gewagt“.

Erfolgsorientierung und Leistungsprinzip gehen unter amerikanischen Street- Kids – das unterscheidet sie zum Beispiel von Deutschen – vollkommen in Ordnung. Darüber hat auch Jay-Z so manchen Track gerappt, von dem er heute das ganze Blingbling und sein Hauptquartier am Times Square bezahlen kann. In dieser Welt ist es cool, wenn man Werbeverträge für Deos oder Sportartikel bekommt. Die nächste Entwicklungsstufe ist die eigene Modelinie, das Ziel: das eigene Imperium. Pop ist Markt und Markt ist Pop.

Rihanna glaubt an sich mit einer noch rührenden Naivität. Sie habe ihr Leben der Musik gewidmet, sagt sie. Aber sie meint: dem Erfolg. „Good Girl Gone Bad“ heißt ihr mittlerweile drittes Album. Wenn Rihanna nicht bloß in den Himmel will, sollte sie noch um einiges böser werden. Ralph Geisenhanslüke