Der Tagesspiegel : Hobby-Flieger: Im ganzen Umland gibt es Verkehrs- und Sonderlandeplätze - Nur 2700 Mitglieder in den Clubs

Rainer W. During

Seit nunmehr einem Jahrzehnt ist auch der Himmel über dem Osten Deutschlands grenzenlos. Rund um die Hauptstadt hat sich - mit unterschiedlichem Erfolg - eine Vielzahl von Verkehrs- und Sonderlandeplätzen etabliert, auf denen auch Flugsportler starten und landen. Rund 2700 Mitglieder zählen die Landesverbände Berlin und Brandenburg des Deutschen Aero-Clubs. Das ist allerdings eine verhältnismäßig geringe Zahl im Vergleich zu Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Bayern, wo jeweils 10 000 und mehr Hobbypiloten gezählt werden.

Der Grund mag in den vielseitigen Beschränkungen der Vergangenheit liegen. West-Berliner Piloten mußten jahrzehntelang die lange Anfahrt mindestens bis Braunschweig in Kauf nehmen. In der DDR durften nach einigen spektakulären Fluchten in der vormilitärischen Gesellschaft für Sport und Technik nur noch besonders linientreue Genossen in die Luft gehen. Und auch heute noch gilt die Fliegerei vielfach irrtümlich als teures Hobby der Reichen.

Bereits 1992 hat sich gemeinsam mit dem Märkischen Luftsportverein der Flugsport-Club Charlottenburg mit dem Leistungszentrum der Berliner Segelflieger in Lüsse bei Belzig etabliert. Vom 29. Juli bis 12. August finden hier erstmals die Europameisterschaften statt. Nachwuchs ist stets willkommen. Für rund 87 Mark im Monat können Schüler, Azubis und Studenten im Verein eine zweijährige Segelflugausbildung absolvieren. Die Akademische Fliegergruppe der TU hat sich ebenfalls mit einem eigenen Flugplatz in Kammermark bei Pritzwalk niedergelassen.

Beispielhafte Nachwuchsarbeit leistet der Natur- und Luftsportverein am Flugplatz Saarmund. Die Hälfte der 14 Teilnehmer einer kürzlich beendeten Projektwoche mit dem Michendorfer Gymnasium ist spontan in den Club eingetreten. Im Juli gehen 15 Jugendliche aus einer katholischen Schule in Berlin an den Start. Weitere Aktionen sind für 2001 geplant. "Ich freue mich über jede Schule, die sich meldet", sagt Michael Thomsen. Interessenten können ihn über das Gästebuch der Internet-Homepage (www.nlv-berlin.de) erreichen.

Schönhagen bei Trebbin und Strausberg sind die erfolgreichsten Verkehrslandeplätze der Region. An beiden Standorten haben sich inzwischen Luftfahrtzentren mit Industrie, Gewerbe und Sport entwickelt. In Schönhagen bietet die Flugschule Hans Grade von Thomas Henning eine Vielzahl von Kursen. In Strausberg laufen die Motorsegler der Firma Stemme vom Band, ist die Flugschule von Siegmar Sprenger, einem der Vizepräsidenten des Berliner Luftsport-Landesverbandes beheimatet. Gemeinsam mit dem Deutsch-Russischen-Fliegerclub bietet Sprenger Projekt- und Wandertage für Oberschulen am bequem mit der S-Bahn zu erreichenden Flugplatz an. Dass Luftsport selbst für Behinderte machbar ist, beweist der Fliegerclub Strausberg, der ein zweisitziges Segelflugzeug entsprechend umbaute.

In Nauen gilt der einst umstrittene Flugplatz der "Märkischen Falken" inzwischen als gesichert, ein Stück weiter besitzt die Flugschule von Willi Helm mit Bienenfarm bei Paulinenaue ihren eigenen Mini-Airport. An reinen Sportflugplätzen wie Müncheberg/ Eggersdorf und Friedersdorf entstehen auch Wohnparks für Flugsportler. In Fürstenwalde findet sich neben verschiedenen Vereinen auch eine ABM-Werkstatt zum Nachbau historischer Flugzeuge.

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