Der Tagesspiegel : Hoch hinaus in Niederfinow

Das Schiffshebewerk wird bis 2013 durch einen Neubau ersetzt

Claus-Dieter Steyer

Niederfinow - Der Bau des neuen Schiffshebewerks in Niederfinow kann in Kürze beginnen und soll bis 2013 beendet sein. Für das 285 Millionen Euro teure Projekt am Oder-Havel-Kanal erteilte Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) gestern in Berlin seine Zustimmung. Das 1934 in Betrieb gegangene Hebewerk sei eine „alte Dame“, die nun in den verdienten Ruhestand verabschiedet werde. Es könne die Anforderungen der wachsenden Binnenschifffahrt auf der Strecke zwischen dem Rhein-Ruhr-Gebiet, Magdeburg, Berlin und Stettin nicht mehr erfüllen und erhalte deshalb in unmittelbarer Nachbarschaft einen Ersatz. „Wir reißen das gute Stück aber nicht ab, schließlich steht es unter Denkmalschutz“, sagte Tiefensee. „Es bleibt als Reserve bis nach der Eröffnung des Neubaus in Betrieb.“ Mit jährlich 150 000 Besuchern ist das Hebewerk eine der größten Brandenburger Touristenattraktionen.

Der Minister wies die Vermutung zurück, die Verkündung des baldigen Baustarts würde mit der Absage des Münchner Transrapidprojektes im Zusammenhang stehen. Sein Ministerium habe sich einfach das Ziel gesetzt, bis Ende März eine Grundsatzentscheidung über den Neubau zu treffen. Mit den durch das Aus für den Transrapid frei werdenden Mitteln habe das nichts zu tun. Aber man sah Tiefensee an, wie freudig er Niederfinow als „Beispiel für eine Verkehrs- und Wirtschaftspolitik erster Güte“ und Teil des „Aufbaus Ost“ verkündete.

Einen genauen Termin für die Grundsteinlegung für den Neubau konnte der Minister noch nicht nennen. Er sprach nur von „hoffentlich bald“. Zuletzt hatte es Zweifel an der Verwirklichung des Neubaus gegeben, weil die Kosten innerhalb weniger Jahre von ursprünglich veranschlagten 180 Millionen Euro auf 285 Millionen Euro gestiegen waren. Vor allem die Stahlpreise zogen stark an. „Doch wir brauchen das neue Hebewerk, um Container- und Kohleschiffe zwischen Ost und West und umgekehrt effektiv fahren zu können“, sagte Tiefensee. Das sichere nicht zuletzt die Auslastung der Brandenburger Binnenhäfen. Zwischen 2004 und 2007 sei die auf Schiffen transportierte Gütermenge in der Region um 15 Prozent gestiegen.

Genau wie das alte Schiffshebewerk muss auch das neue einen Höhenunterschied von 38 Metern zwischen dem Oderbruch und der Barnimer Hochebene bei Niederfinow überwinden. Jetzt passen allerdings nur maximal 80 Meter lange Schiffe in den Trog. Die modernen Großmotorgüterschiffe messen aber 110 Meter. Auch die 114 Meter langen und sehr häufig verkehrenden Dreierschubverbände müssen vor dem Schiffshebewerk geteilt werden. Außerdem können die Schiffe derzeit wegen des zulässigen Tiefgangs von zwei Metern nicht voll beladen werden. Der neue Trog wird 115 Meter lang sein. Claus-Dieter Steyer

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