Der Tagesspiegel : Hochfliegende Pläne für Luftfracht-Airport bei Cottbus

Claus-Dieter Steyer

Cottbus - Noch kennt kaum jemand in der internationalen Luftfahrt die Abkürzung „EDI“. Aber das könnte sich bald ändern. Die Abkürzung steht für den Flughafen „Erie-Drewitz-International“, und in Südostbrandenburg verbinden damit Kommunalpolitiker und Unternehmer viele Hoffnungen. Auf dem früheren NVA-Fliegerhorst Cottbus-Drewitz sollen schon in den nächsten Wochen Frachtflugzeuge internationaler Fluglinien starten und landen. Ab 2007 oder 2008, wenn die beiden Start- und Landebahnen von jetzt 900 Meter auf knapp 2000 Meter verlängert sind, könnte EDI zum größten europäischen Frachtflugzentrum werden. Dann haben hier auch die großen Maschinen vom Typ Boeing 747 genug Platz zum Landen und Abheben.

Hinter dem Projekt stehen die Betreiber des Flugplatzes Erie im US-Bundesstaat Pennsylvania. Ab 1. Januar 2005 wollen sie den Flugbetrieb in Drewitz übernehmen und zwei Jahre später den Airport auch kaufen.

Eingefädelt hat das Vorhaben der Landrat des Kreises Spree-Neiße, Dieter Friese (SPD). Er war in der vergangenen Woche in Erie zu Besuch und sei sehr zuversichtlich, dass das Projekt gelinge. „Die Flugplatzgesellschaft aus Erie hat eine Investitionssumme von vorerst 1,2 Millionen Dollar zugesagt.“ Sie habe großes Interesse, in Mitteleuropa ein Frachtverkehrskreuz zu eröffnen.

Schon jetzt unterscheidet sich der Airport vor den Toren von Cottbus von anderen früheren Flugplätzen DDR- oder der russischen Armee. Das gläserne Abfertigungsgebäude steht dem vieler deutscher Inlandsflughäfen nicht nach. 1,6 Millionen Euro kostete der Terminal, das Geld kam von EU, Brandenburg und dem Landkreis Spree-Neiße, der auch die meisten Anteile der Flugplatzgesellschaft besitzt. Bislang ist es jedoch wenig ausgelastet.

Doch auf Passagiermaschinen hat es EDI auch nicht abgesehen. „Hier starten und landen künftig Frachtflugzeuge aus Übersee, aus Osteuropa, dem Nahen Osten und anderen Erdteilen, um ihre Güter umzuschlagen“, erklärt Landrat Friese. Durch die Lage weitab von Siedlungen sei ein 24-Stunden-Betrieb möglich. Daher sieht er auch keine Konkurrenz zum möglichen Großflughafen in Schönefeld. Im Potsdamer Verkehrsministerium hieß es, man stehe dem Drewitzer Projekt „wohlwollend“ gegenüber – anders als etwa den Plänen des Billigfliegers Ryanair, den Flughafen Neuhardenberg auszubauen.

Über die zu erwartende Zahl von Jobs schwieg der Landrat. Vor einiger Zeit hatte er von 40 Arbeitsplätzen in der Anfangszeit gesprochen, denen weitere 600 folgen könnten.

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