Hochschule : Heidelbergs Eliteverlierer rufen um Hilfe

Institutsbesetzung wegen gestrichener Dozenten - Kurse glichen inzwischen "Käfighaltung", lautet der Vorwurf

Frank van Bebber

Unter der Schirmherrschaft von Altkanzler Helmut Kohl bereitet sich die Universität Heidelberg derzeit auf ihre Feier zum 625. Geburtstag im Jahr 2011 vor. Motto: „Dem lebendigen Geist“. Studierende am Romanischen Seminar aber rebellieren gegen den Geist der 2007 gekürten Eliteuniversität. Aus Protest gegen einen Notstand in der Lehre besetzten sie vergangene Woche ihr Gebäude.

In Kurse mit 20 Plätzen drängten oft über 100 Studenten, kritisieren die Besetzer. Von „Käfighaltung“ ist die Rede. Ein Pflichtseminar wurde mehrere Semester nicht angeboten, was Studienpläne Makulatur werden ließ und manchen wegen der Studiengebühren in die Finanznot trieb. Zu Beginn des Semesters wurden vier bereits bewilligte Dozentenstellen doch nicht besetzt, was den Aufruhr auslöste. Die Stellen sollten aus Studiengebühren bezahlt werden. Die aber sind zu einem Drittel weggebrochen, weil das Land nun alle Studenten mit zwei und mehr Geschwistern von der Gebühr befreit.

Der Notstand ist so offensichtlich, dass die Institutsleitung und Rektor Bernhard Eitel den „konstruktiven Protest“ loben. Tatsächlich stehen die Studienbedingungen in einem krassen Widerspruch zum Selbstbild der in der Exzellenzinitiative erfolgreichen Uni. Die Studenten sehen im Elitestreben eine Ursache der Probleme: Exzellenzbereiche würden auf Kosten andere Fächer aus dem Boden gestampft, sagt Studentenvertreter Jan Wessel.

Das Rektorat sieht da allerdings „wirklich keinen Zusammenhang“. Die Exzellenzbereiche würden ausschließlich mit dem zusätzlichen Geld aus dem Elitewettbewerb ausgebaut – und nicht zulasten einzelner Wissenschaftsbereiche oder der Lehre. Allerdings gehören vier der fünf Eliteprojekte zu den Naturwissenschaften, nur der Asien-Cluster kommt aus den Kulturwissenschaften. Von den knapp 30 Millionen Euro, die jährlich in die Exzellenzvorhaben fließen, ist die Romanistik also abgeschnitten.

Die Studiendekanin der Neuphilologischen Fakultät, Christiane von Stutterheim, sieht den Kern des Problems jedoch in der Umstellung auf Bachelor und Master. Die neuen Studiengänge brauchten mehr Personal und Geld, beides habe man nicht. Jeder Romanistikprofessor kümmere sich um mehr als 200 Studenten. Die Romanistikstudenten haben den Weg zu den Hörsälen am Montag trotzdem wieder freigegeben: Als Nothilfe wurden ihnen zwei halbe Stellen und zwei Lehraufträge zugesagt. Das Geld kommt nun doch aus Studiengebühren. Zudem will die Institutsleitung die Studenten besser einbinden und mit ihnen beim Rektorat für mehr Geld kämpfen. Und am heutigen Dienstag kommt der Rektor zum Gespräch.

Einig sind sich alle: Die Grundversorgung in der Lehre müsse auf Dauer vom Land bezahlt werden und nicht aus Studiengebühren. Der entsprechende Aufruhr der Rektoren gegenüber dem Land blieb aber bislang aus. Frank van Bebber

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