Hochschule : Uni-Rankings - verteufelt und geliebt

Bewerten und gleichmachen: Experten streiten in Berlin über Uni-Rankings. Vor allem Gesine Schwan hält nichts von den Ranglisten.

Tilmann Warnecke

Wie aussagekräftig sind Uni-Rankings – und welche Rolle sollten sie bei der Beurteilung von Hochschulen spielen? An diesen Fragen scheiden sich die Geister. Gesine Schwan etwa, ehemals Präsidentin der Viadrina-Uni in Frankfurt/Oder und jetzt Bundespräsidenten-Kandidatin, verteufelt die beliebten Ranglisten nachgerade. Sie bestreite „radikal“, dass man mit den gängingen Ranking-Methoden herausfinden könne, welcher Forscher oder welche Unis am besten seien, sagt Schwan: „Rankings suggerieren eine Eindeutigkeit, die es nicht gibt.“

Detlev Müller-Böling, Ex-Chef des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) und Mitbegründer des CHE-Rankings, hält die Kritik für „aufgebauscht“. Vor der Einführung der ersten Rankings und Evaluationen in Deutschland vor gut zwanzig Jahren habe es „überhaupt keine gesicherten Kriterien“ für die Einschätzung von wissenschaftlichen Leistungen gegeben. „Da wurden Entscheidungen allein nach Hörensagen und Gerüchten über die beteiligten Forscher getroffen.“

Die beiden Kontrahenten trafen am Montagabend bei einer Disskussion zu dem Thema am Wissenschaftszentrum Berlin aufeinander. Schwan kritisierte dort, der auch von den Rankings ausgehende Wettbewerbsgedanke im Wissenschaftssystem habe zu einer „Verflachung“ der Forschung geführt. Belohnt würden vor allem Forscher, die den Mainstream bedienten. Eine Kritik, die Müller-Böling nicht nachvollziehen konnte: „Der Wettbewerbsgedanke ist doch ein roter Faden in der Wissenschaft. Jeder Forscher will schneller als der andere sein.“ Unsinn, konterte Schwan – um Probleme zu lösen, müssten Forscher auch mal „26 Umwege gehen dürfen. Das kostet Zeit“.

Unterstützung in ihrer Ranking-Kritik bekam Schwan von WZB-Präsidentin Jutta Allmendinger. Sie sei zwar prinzipiell für die Evaluation von Wissenschaft: „Schließlich müssen wir dem Steuerzahler transparent zeigen, wie wir sein Geld sinnvoll einsetzen.“ Bei der Evalution von Instituten seien die Kriterien aber oft zu undifferenziert. Benachteiligt seien Einrichtungen mit einem interdisziplinären Ansatz, da Gutachter oft innerhalb der Fächergrenzen urteilen würden.

Wie schwierig es sein kann, angemessen zu urteilen, zeigt sich an dem Kriterium „Drittmittel“. Wirbt eine Uni oder ein Forscher viele Forschungsgelder ein, gilt das im allgemeinen als Ausweis von Stärke. Diese Meinung vertrat auch Dieter Sadowski, Volkswirtschaftler an der Uni Trier. Seiner Erfahrung nach seien die Forscher die besten, die vom Beginn ihrer Karriere an möglichst viel Geld an Land ziehen. Allmendinger und Schwan widersprachen: Ein Forscher wie ein Institut könnten mit zu vielen Drittmitteln auch überfordert sein. Wo eine solche magische Linie zu ziehen sei, müsse endlich öffentlich diskutiert werden.

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