Hochschulen : Auf zu den Unis in "Fernost"

"Für Westdeutsche ist Ostdeutschland ferner als Asien": Eine neue Kampagne wirbt für das Studium in den neuen Ländern. Protagonisten sind zwei Reporter namens Gang und Dong. Potenzielle Missverständnisse seien gewollt, heißt es.

Tina Rohowski
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Vollchefmäßig. Asiatische »Reporter« bringen Westlern die Ostunis nahe.Foto: promo

Der Hintergrund ist ernst, der Ton locker: „Kriegt man hier eine vollchefmäßige Ausbildung zum Diplomhandwerker?“, fragen zwei Asiaten einen Professor der Bauhaus-Universität Weimar. Die Reporter Gang und Dong sind die Protagonisten einer ostdeutschen Hochschulkampagne, die gestern in Berlin vorstellt wurde. In knallbunten, schnell geschnittenen Clips besuchen Gang und Dong Unis im Osten oder führen Abiturienten durch eine „Studiensuchmaschine“.

Die Kampagne sei „bewusst schrill, schräg und übertrieben“, sagt Stefan Wegner, Projektleiter der verantwortlichen Werbeagentur. Man spiele mit der Missverständlichkeit des Slogans „Studieren in Fernost“, um die Aufmerksamkeit der Zielgruppe zu gewinnen: „Für Abiturienten im Westen ist Ostdeutschland oft ferner als Asien.“

Mit der Kampagne, in die das Bundesbildungsministerium zehn Millionen Euro investiert, sollen Teile des zwischen 2010 und 2020 vor allem im Westen erwarteten Studentenbergs in den Osten umgelenkt werden. „Ab dem nächsten Jahr verlieren wir die Hälfte der Studierenden aus der eigenen Region“, warnt Klaus Erich Pollmann, Rektor der Otto- von-Guericke-Universität Magdeburg. Bislang gehen nur vier Prozent der Westabiturienten zum Studieren in die neuen Länder. Dabei zeigten Umfragen, dass Studenten im Osten vor allem mit der Betreuung zufriedener seien als ihre Kommilitonen im Westen, sagt Pollmann. Mit der Kampagne wolle man die westdeutschen Schüler nun „dort abholen, wo sie sich tummeln: im Internet“.

Neben den Videoclips, die auf Seiten wie Youtube laufen sollen, setzen die Macher auf soziale Netzwerke. Kernstück ist die Kooperation mit dem Portal SchülerVZ. Dort haben alle 44 staatlichen Hochschulen aus dem Osten eigene Profile eingerichtet. Schüler können auf der Seite einen Selbsttest machen, der nach Wunschfächern oder sonstigen Vorlieben – zum Beispiel: Groß- oder Kleinstadt? – fragt. Am Ende erstellt die Online-Studienberatung für die Abiturienten eine Favoritenliste mit Fächern und Hochschulen im Osten.

„Campus-Spezialisten“ sollen im Portal Fragen beantworten. Dafür setze man Studenten der beteiligten Hochschulen ein, um ein „authentisches Bild vom Leben vor Ort“ zu vermitteln, erklärt Wegner. Von Studentenvertretungen wird allerdings kritisiert, dass die Studenten als Online-Berater kein Geld erhalten. Dabei könne der Arbeitsaufwand, angesichts von Millionen SchülerVZ-Nutzern, schnell explodieren. Man beute die "Campus-Spezialisten" als "Campus-Deppen" aus, heißt es im Internet. Gang und Dong würden schließlich auch bezahlt.

Informationen im Internet:
www.studieren-in-fernost.de
www.hochschulinitiative.de

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