Hochschulen : „Intelligenz in Deutschland verhungert“

Lehrbeauftragte fordern mehr Lohn - in Potsdam liege ihr tatsächlicher Stundenlohn bei 4 Euro 80, kritisieren sie.

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Mit einem offenen Brief machen Lehrbeauftragte der Universität Potsdam auf ihre prekäre Lage aufmerksam. „Die Bildungsrepublik Deutschland lässt ihre nachwachsende Intelligenz verhungern“, schreiben Sabine Volk und Michael Bahn, zwei Doktoranden von der Initiative „Intelligenzija Potsdam“. So erhielten Lehrbeauftragte am Institut für Germanistik der Uni Potsdam für die Leitung eines sechsmonatigen Proseminars eine einmalige Zahlung von 540 Euro.

Damit seien 30 Stunden Lehre, mindestens 15 Sprechstunden, die Vor- und Nachbereitung des Seminars sowie die Bewertung von Klausuren, mündlichen Prüfungen oder Hausarbeiten abgegolten. Die maximale Teilnehmerzahl von 60 Studentinnen und Studenten werde in einem Fach wie der Germanistik durchaus erreicht. Während der offizielle Stundenlohn lediglich die 30 Stunden Unterricht vergüte, liege der tatsächliche Stundenlohn demnach bei höchstens 4,80 Euro.

„Wir Lehrbeauftragten erhalten somit für die exzellente Ausbildung der klügsten Köpfe unseres Landes sogar noch deutlich weniger als den gewerkschaftlich geforderten Mindestlohn von 7,50 pro Stunde“, heißt es in dem Brief. Diese „Ausbeutung“ könne überhaupt nur funktionieren, weil die meisten Lehrbeauftragten „höchst engagierte IdealistInnen“ seien. Die Potsdamer Initiative fordert nun unter anderem die Verdoppelung der Entlohnung für Lehrbeauftragte auf 1080 Euro pro Semester und die Anerkennung der Lehrbeauftragten als Mitglieder der Universität.

An Brandenburgs Hochschulen habe sich die Zahl der Lehrbeauftragten zwischen 1999 und 2008 fast verdoppelt: von 704 auf 1331, teilen die Verfasser des Briefes mit. Die Potsdamer Initiative, die im vergangenen Sommer ins Leben gerufen wurde, wird von der GEW unterstützt. Nachdem ein Brief an das Präsidium der Universität Potsdam vom Herbst nicht beantwortet worden sei, plane man nun ein weiteres Schreiben, das auch an die Brandenburger Politik gerichtet sein soll. Unterstützer können Kontakt unter intelligenzijapotsdam@web.de aufnehmen.

In Berlin liegt der Mindestlohn für Lehrbeauftragte bei 21 Euro für eine Seminarstunde, verschiedene Hochschulen zahlen aber auch 25 oder 30 Euro. An einigen Fachhochschulen decken Lehrbeauftragte fast die Hälfte des Lehrangebots ab.

Korrektur: In der ersten Version hieß es, Lehrkräfte erhalten für ein sechssemestriges Proseminar 540 Euro. Es handelt sich aber um sechsmonatige, also einsemestrige Seminare. Wir haben den Fehler korrigiert und bitten ihn zu entschuldigen.

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