Der Tagesspiegel : Hochwasser auch in der Havel

Rückstau von der Elbmündung

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Potsdam. Hochwasseralarm jetzt auch an der Havel: In den Havelgewässern zwischen Berlin und Rathenow werden die Wasserstände in den nächsten Tagen kräftig ansteigen – und zwar durch eine von den Wasser- und Schiffahrtsbehörden Berlins und Brandenburgs veranlasste Staumaßnahme. „Bis zum Freitag wird sich deshalb der Havelpegel zwischen Berlin und Rathenow um einen halben Meter bis um einen Meter erhöhen“, sagte Olaf Willmann vom Wasser- und Schifffahrtsamt Brandenburg am Montag.

Der Grund: Um den Abfluss zusätzlicher Wassermassen in Richtung Elbe zu verhindern, staue man die Havel von Berlin aus ab jetzt über verschiedene Staustufen künstlich an, halte Wasser zurück. „Wir wollen der Havelniederung Luft lassen.“ Diese wird zum einen als potenzielles Auffanggebiet benötigt, um durch Öffnung der Wehre bei Quitzöbel im Bereich der Elbmündung Elbwasser ableiten zu können, was die von der Flutwelle bedrohte Prignitz entlasten könnte. Zum anderen staut sich dort die Havel, die nicht mehr in die Elbe abfließen kann, schon jetzt an. Wegen des wachsenden Rückstaus wird in diesem Gebiet des Havellandes in den nächsten Tagen Alarmstufe Vier ausgerufen werden müssen, sagte Matthias Freude, Präsident des Landesumweltamtes in Potsdam.

Bislang war das Landesumweltamt noch davon ausgegangen, dass der Rückstau zu einem Anstieg von 50 Zentimentern im Mündungsbereich, in Rathenow aber nur noch von einigen Zentimetern führen wird. Schon jetzt habe die Havel hier eine sechsfach höhere Durchflussmenge, sagte Harald Sempf, Sprecher des Landratsamts Havelland. In den nächsten Tagen würden Haveldeiche mit Sandsäcken verstärkt. Auch habe man begonnen, bislang beweidete Havelwiesen von Vieh zu beräumen. „Es wird an bestimmten Stellen die Sprengung von Haveldeichen vorbereitet, um, wenn nötig, Havelwasser in die Polder abfließen zu lassen.“ Es handle sich um ausgewählte, unbewohnte Flächen. Da das Grundwasser steige, geht man im Kreisamt davon aus, dass im Bereich der Dominsel die Keller durchnässt werden.

In Potsdam wird der Havelpegel bis Freitag laut Wasser- und Schifffahrtsamt „um rund 60 Zentimeter" ansteigen. Dies kann zur Überflutung der Anlegestelle der Weißen Flotte führen und sich auf die Fahrgastschifffahrt auswirken, so Geschäftsführer Jan Lehmann. „Es kann sein, dass wir einige Touren, etwa durch Berlins Innenstadt, nicht fahren können." Selbst auf Sanssouci könnte ein erhöhter Havelwasserstand Rückwirkungen haben, da der Graben des Schlossparks in die Havel mündet. Schon jetzt sind Springbrunnen abgeschaltet, weil kein weiteres Wasser in den Graben fließen soll. T. Metzner

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