Der Tagesspiegel : Hochwasser überflutet Oderwiesen

CLAUS-DIETER STEYER

Welle soll sich im Unterlauf auf Polderflächen ergießen / Vorkehrungen in FrankfurtVON CLAUS-DIETER STEYER SCHWEDT.Am Unterlauf der Hochwasser führenden Oder bei Schwedt, rund 90 Kilometer nordöstlich Berlins, sind am gestrigen Nachmittag und Abend alle acht verfügbaren Wehre zum Ablaufen der Fluten geöffnet worden.Die Wassermassen ergossen sich auf die zwischen den Deichen befindlichen Polderwiesen.Hier können sie keine größeren Schäden verursachen.Die Landwirte hatten am Vormittag das letzte Vieh und frisches Erntegut aus den Überschwemmungsgebieten geholt.Unterdessen bereitet sich Frankfurt (Oder) auf die für Donnerstag erwartete Hochwasserwelle vor.Gestern wurden am dortigen Pegel 3,90 Meter gemessen, rund 1,20 Meter über dem Normalstand.Für das Wochenende wird ein Pegelstand von sechs Metern nicht ausgeschlossen. In der gegenüber Frankfurts gelegenen Stadt Slubice wurden gestern die ersten Häuser geräumt.Die Stadtverwaltung bereitet sich darauf vor, eventuell die Mehrzahl der 17 000 Einwohner in Sicherheit zu bringen.Da Slubice tiefer als Frankfurt liegt, könnten viele Bürger aufs deutsche Oderufer übergesetzt werden.Seit gestern sind fast alle Slubicer Tankstellen geschlossen.Eine mögliche Überschwemmung der Tanks könnte ansonsten zu Umweltkatastrophen führen.Deutsche Autofahrer sollten zum billigen Tanken jenseits der Oder deshalb Hohenwutzen an der B 158 ansteuern, hieß es von der Polizei.Am Übergang Schwedt behindern Bauarbeiten den Verkehr. Die gestrige Öffnung der Wehre bei Schwedt soll die Wasserführung im südlich gelegeneren Oderbruch senken."In der Stadt Schwedt selbst wird dennoch keiner nasse Füße bekommen", sagte Burkhard Strehl vom Wasser- und Bodenverband Welse.Insgesamt könnten 5000 Hektar Wiesen- und Ackerflächen auf einer Länge von 20 Kilometern überschwemmt werden.Der Deich unmittelbar an der Oder-Havel-Wasserstraße sei für ein "tausendjähriges Hochwasser" ausgelegt worden."Da müßte also schon die Sintflut kommen, um ihn zu zum Erweichen zu bringen." Dennoch halten sich die Experten mit genauen Prognosen über das Ausmaß des Hochwassers in Ostbrandenburg zurück.Fast alle Meßpegel auf polnischem Gebiet versanken in den Fluten.Aus den polnischen Katastrophengebieten treffen nur wenige Nachrichten ein.So kann niemand das genaue Eintreffen des Flutscheitels voraussagen.Der Präsident des Umweltamtes, Mathias Freude, hat vorsorglich alle vorher gegebenen Prognosen nach oben korrigiert: "Die Flut hat alle Erwartungen übertroffen." Das letzte Hochwasser am Unterlauf der Oder hatte 1981 die Anwohner in Aufregung versetzt.Damals war die Oder innerhalb einer Woche um drei auf neun Meter gestiegen.Jetzt zeigen die Pegel noch rund 7,50 Meter an.Erfahrungsgemäß fließt das Wasser von den Überschwemmungsflächen erst nach sechs bis acht Wochen wieder ab.

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