Hockey : Berlinerinnen stark wie nie

Die Hockeyspielerinnen des Berliner HC lassen sich von kleineren Rückschlägen nicht irritieren.

Karsten Doneck

BerlinEine Krise schien sich anzubahnen. Dem torlosen Unentschieden beim Tabellenletzten Eintracht Frankfurt folgte eine 3:4-Heimniederlage gegen Eintracht Braunschweig. Ungewohnte Resultate für die erfolgsverwöhnten Hockeyspielerinnen des Berliner HC. Die Sorgen hielten sich aber in Grenzen. „Da waren unsere Mädels eben ein bisschen fertig“, stellt Teammanager Horst Buhr sachlich fest. Der BHC hat sich schnell erholt. Mit dem 3:1-Sieg gestern über den Harvestehuder THC schloss die Mannschaft von Trainer Safi Khalil nach Punkten zu Bundesliga-Spitzenreiter Rot-Weiß Köln auf, der sich in Braunschweig zeitgleich eine 3:4-Niederlage leistete.

Berliner HC und Rot-Weiß Köln – alles deutet darauf hin, dass diese beiden Mannschaften am 7. und 8. Juli bei den Play-offs in Mönchengladbach die deutsche Meisterschaft unter sich ausmachen werden. „Unser Vorteil ist, dass wir eine größere Einheit bilden, bei uns stammen die Spielerinnen des aktuellen Kaders ja größtenteils aus der eigenen Jugend“, sagt Horst Buhr. Einen ähnlichen Wachstumsprozess hat die Kölner Mannschaft nicht vollzogen. „Bei denen spielt nur eine echte Kölnerin, dadurch fehlt denen so ein bisschen das Herz“, sagt Buhr.

Mittels Teamgeist kompensiert der BHC auch immer wieder zwischenzeitlich auftretende personelle Probleme. So fehlt derzeit Angreiferin Franziska Stern. Die 18-Jährige musste sich vor gut einer Woche einer Notoperation unterziehen – der Blinddarm. Julia Karwatzky laboriert derzeit an einer Knöchelverletzung. Und bei Nationalspielerin Fanny Rinne zeigte sich der Verein überaus generös: Sie durfte am Wochenende wegbleiben, weil ihre beste Freundin Hochzeit feierte.

Für das mögliche Finale können der BHC und Rot-Weiß Köln in knapp 14 Tagen schon mal üben. Dann treffen beide Mannschaften zum Bundesliga-Punktspiel in Köln aufeinander, 3:3 ging das Hinspiel aus. Dass sich beide Mannschaften dann in Anbetracht eines möglichen Wiedersehens beim Finale in Mönchengladbach Zurückhaltung auferlegen, ist für Horst Buhr eher unwahrscheinlich: „Da wird nicht geblufft. Wir sind jetzt punktgleich mit Köln, da haben wir doch die große Chance, Erster zu werden“, sagt Buhr.

Und dass der BHC zwischendurch mal eine Schwächeperiode hatte, dafür gibt es triftige Gründe. Beim 0:0 in Frankfurt offenbarten die Berlinerinnen schwerste Konzentrationsmängel. „Wir hätten den Chancen nach 10:0 gewinnen müssen“, behauptet Buhr noch heute. Aber in den Köpfen der Spielerinnen steckte halt schon die folgende Europapokalendrunde in Aserbaidschan. In Baku spielte der BHC bei Temperaturen bis zu 45 Grad und wurde Dritter. Weil die Mannschaft sehr ausgelaugt nach Berlin zurückkehrte, war die folgende Niederlage gegen Braunschweig auch kein Wunder.

„Wir haben noch nie eine so gute Saison gespielt wie in diesem Jahr“, behautet Buhr sogar. Und der Verein lässt für den Erfolg nichts unversucht. Mit Karolina Amm holte sich der BHC Anfang April vom ATV Leipzig noch eine starke Torhüterin hinzu. Amm wird noch in diesem Jahr ihr Abitur in Leipzig machen, dann in Berlin Medizin studieren. Und zwischendurch wird sie vielleicht auch noch mit dem BHC Deutscher Meister. Wenn da nur Rot-Weiß Köln nicht wäre.