Hönow : Ärger um eine Affenliebe

Jahrzehntelang hat eine ehemalige Artistin auf ihrem Grundstück Schimpansen aufgezogen. Tierschützer drängen nun auf eine Weggabe der Affen.

Sandra Dassler

HönowEin ungewöhnlicher Streit tobt derzeit zwischen Tierschützern und der Artistin Christiane Samel, die in Hönow im Landkreis Märkisch-Oderland eine Schimpansenzucht betreibt. Schon im Jahr 1975 hatte sie damit begonnen und dafür sogar ihre Stelle beim Staatszirkus der DDR aufgegeben. Einige ihrer Tiere traten schon in Fernsehsendungen und Shows auf. Jetzt hat der Berliner Tierschutzverein in scharfer Form die zuständigen Behörden aufgefordert, Christiane Samel die Schimpansen wegzunehmen.

Die Tierschützer kritisieren vor allem, dass Christiane Samel trotz Verbots immer neue Babys züchte und diese ihrer Mutter frühzeitig entzöge, um sie zu dressieren und zum Beispiel in Kitas vorzuführen. Außerdem besitze sie keine Genehmigung für die Haltung der Tiere.

Die Probleme seien lange bekannt, sagte eine Sprecherin des Tierschutzvereins: Bislang hätten die Behörden auch deshalb nicht durchgegriffen, weil sie keine Alternative wussten: „Wo soll man dreizehn Schimpansen unterbringen?“, fragte die Sprecherin. Nun habe sich aber die private Stiftung Stichting AAP – eine Auffangstation für in Not geratene Primaten im niederländischen Almere – bereit erklärt, die Schimpansen aufzunehmen.

Christiane Samel aber will davon nichts wissen. „Ich war ja selbst dort und habe mir angesehen, wo und wie meine Tiere untergebracht sein würden“, sagte sie dem Tagesspiegel. „In dem Haus, das von der Pharmaindustrie finanziert wird, sind vor allem mit Hepatitis C infizierte ehemalige Laborschimpansen untergebracht. Besucher dürfen dort nicht hinein, und es gibt dort Ratten.“ Die 62-Jährige, die ihre derzeit 13 Schimpansen mit ihrem Mann und Mitgliedern eines von ihr gegründeten Vereins betreut, hat generell nichts dagegen, die Tiere abzugeben. Die Schimpansin „Püppi“ habe sie an den Münchner Zoo abgegeben, wo sich das Tier wohl fühle. „Ich muss an mein Alter denken, die Tiere werden mich überleben“, sagt Christiane Samel: „Aber sie sollen dahin, wo es ihnen mindestens so gut geht wie bei mir.“

Über solche Sätze können die Tierschützer nur die Köpfe schütteln. Der Sprecher des Landkreises Märkisch-Oderland teilte unterdessen mit, bis zu einer Entscheidung, ob die Tierhaltung untersagt werde, könne es noch vier Wochen dauern. 

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