Der Tagesspiegel : HÖRTEST

Musik aus Berlin

Jean-Michel Berg

ELEKTRO Kissogram, Nothing, Sir!

(Louisville Records)
„Kissogram ist für Mädchen und das Studentenpack“, sagte Sänger Jonas Poppe vor ein paar Jahren über seine Band. Damals war Kissogram noch ein Seitenprojekt und die Sitcom Warriors die Hauptsache. Das dürfte sich umgedreht haben. Das Berliner Elektro- Duo tourte nach seinem Debüt 2004 mit Peaches und stand mit dem artverwandten Jeans Team auf der Bühne. Auf „The Secret Life of Captain Ferber“ fanden sich einst New- Wave-Hymnen, die von Depeche Mode oder den Talking Heads eigentlich nicht hätten übersehen werden dürfen. Angetrieben von schnellen Elektrobeats ergab das einen kühnen Großstadtsound. „The city is faster then your heartbeat“, sang Poppe sehr nachlässig und ironisch. Nun scheinen die Achtziger abgeschöpft. Auf „Nothin, Sir!“ gibt es kaum noch einen Song dieser Kategorie. Erwachsen geworden ist man allerdings auch nicht, eher noch kindischer. „Nothing, Sir!“ ist eine ziemlich alberne Platte. „I’ve slept with my hairdresser“, heißt es da, „now I’ve got curly hair.“ Auf diesem Niveau neigen auch die Sounds zur Selbstparodie. Stramme Elektrobeats kann man nicht ernst nehmen, wenn sie von hyperaktiven Klängen eines historischen Synthesizers hinterfragt werden. Aber Spaß verstehen Mädchen und Studenten ja ohnehin besser als Hymnen.Jean-Michel Berg