Der Tagesspiegel : Hofnärrisch

Volkmar Schnöke hat ein dickes Buch über Bauernhöfe geschrieben und plant nun ein Hofmuseum

Steffi Bey

Klasdorf. Als Volkmar Schnöke den ersten Blick auf den alten Bauernhof in Klasdorf geworfen hatte, schmiss er alle Pläne über den Haufen. Statt beim Verkauf zu helfen, worum ihn ein befreundeter Makler gebeten hatte, kaufte er selbst das Haus und 2,5 Hektar Grundstück, renovierte und zog ein. Das war vor vier Jahren. Heute kocht Schnöke im ehemaligen Schweinestall, spielt Billard im Kuhstall und schläft im Haupthaus. Nichts erinnert mehr an die Ruine, aber trotzdem scheint die Zeit stehen geblieben zu sein.

Nirgendwo Tapete oder Holzpaneele, stattdessen auch innen die blanken, historischen Backsteine, auf dem Boden Dielen. Schnöke ist Architekt, spezialisiert auf Altbausanierung und im Vorjahr von der Potsdamer Landesregierung ausgezeichnet worden mit dem Bauherrenpreis. Er erhielt beim Umbau die Substanz von einst, richtete das Ensemble aus Pferde, Schweine- und Kuhställen, Wohnbereich, Eiskeller und Altenteil weitgehend originalgetreu wieder her. Aus Respekt vor ihrem Alter. Dabei ist für ihn das Beste an den Höfen, dass sie „unspektakulär“ sind. Weil ihn das fasziniert, will der 61-Jährige unbedingt ein Buch über märkische Höfe herausbringen.

Auch daran arbeitet er seit vier Jahren – was am geplanten Umfang liegt. 1200 Seiten soll das Buch haben, rund 5000 Bauernhöfe sollen darin vorgestellt werden. 1500 Höfe hat er bereits untersucht, fotografiert und klassifiziert. Nach einer Liste vom Denkmalschutzamt. 3500 Höfe hat er auf seinen Touren kreuz und quer durchs Land selbst entdeckt. Schnöke ist ein unermüdlicher Sammler: Neben der Begeisterung für brandenburgische Bauernhöfe in allen Variationen hat er auch eine für Plastiktüten. Mehr als 20000 hat er in 35 Jahren zusammengetragen, sortiert, gepflegt und gezeigt.

Doch die Attribute, die Plastiktüten so faszinierend machten (praktisch, modern, bunt), greifen bei den Höfen nicht mehr: Der Zustand vieler Objekte hat ihn schockiert, waren sie doch von ihren Bewohnern völlig verschandelt worden. „Der Baumarkt-Charme hat sich durchgesetzt“, konstatierte Schnöke mit Erschrecken. Da seien Gestänge angebracht worden, wo eigentlich keine hingehören, Fenster irgendwo eingebaut oder an anderer Stelle zugemauert. Durch sein Buch hofft Schnöke, die Hofbesitzer „ein bisschen zu sensibilisieren für die historische Altbausubstanz, in der sie leben“.

Eine brandenburgische Tradition hat Schnöke bei seinen ausgedehnten Streifzügen nicht entdeckt: Gutshof, Bauernhof, Resthof, Vierseitenhof, Dreiseitenhof, Pferdehof, Landgut, Bauernhaus – alles ist da. Einzige Gemeinsamkeit: Vorwiegend wurde mit Naturstein gebaut. Alle seine Beobachtungen – auch zu Besiedlungsgeschichte, Dorf- und Flurformen – stehen in dem umfangreichen Manuskript fürs Buch, das noch einen Verleger sucht. Wirtschaftlicher Erfolg ist laut Schnöke garantiert: Neben den derzeitigen Bauernhofbesitzern dürften auch Fachleute oder „reiche Kaufinteressenten aus dem Westen“ Schlange nach dem Werk stehen. In der Landesregierung klopfte er allerdings vergebens an, was ihn empört: Denen sei die brandenburgische Kultur doch total egal. Weil er aber davon überzeugt ist, dass die Region letztendlich von seinem Werk profitiert, bleibt er hartnäckig.

Der Architekt sieht einen Zusammenhang zwischen seinem Buch, der wirtschaftlichen Entwicklung, dem Tourismus und der Kultur im Land Brandenburg. „Ich öffne damit Türen“, erklärt er selbstbewusst. Eine der Türen soll, so sein kühner Traum, zu einem, zu seinem Bauernhofmuseum führen. Daran arbeitet Schnöke derzeit auch mit Begeisterung und Ausdauer. Die mehr als 100 verschiedenen Brandenburger Hausformen will er anhand von kleinen Holzmodellen zeigen. Zusammen mit einem bastelfreudigen Rentner aus der Umgebung hat er schon mehr als 30 Gebäude fertig gestellt. Wo das Museum hinkommt, ist aber noch unklar.

Nur für seine Plastiktütensammlung hat er konkrete Pläne. Die soll bald ausgestellt werden, im Berliner KaDeWe.

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