Hoppegarten : Atmosphäre erhalten, Rendite erzielen

Die Galopprennbahn in Berlin-Hoppegarten ist verkauft. Wie der neue Eigentümer, Gerhard Schöningh, den Spagat zwischen Traditionspflege und Erneuerungsbedarf meistern will.

Hartmut Moheit

BerlinNach dem Kauf der Galopprennbahn Hoppegarten durch Gerhard Schöningh für knapp drei Millionen Euro gab der in London lebende ehemalige Investmentbanker jetzt einen Einblick in seine Pläne. Er scheint sich bewusst, dass die Erwartungen an sein Engagement sehr hoch sind. Und ist deshalb in seinen ersten Äußerungen nach dem Kauf recht vorsichtig. „Es wird nicht den großen Knall geben, und danach ist die Galopprennbahn in Hoppegarten auf modernstem Niveau“, sagt er.

Eine Umfrage im Herbst 2007 hatte ergeben, dass die Rennbahnbesucher auch in Zukunft auf das Besondere an Hoppegarten – den Parkcharakter, die altehrwürdigen Tribünen, natürlich die moderaten Eintrittspreise – nicht verzichten möchten. Schöningh weiß das. So sagt er zur Parkplatzsituation an Renntagen: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass in diese Landschaft ein mehrstöckiges Parkhaus gehört.“ Den Spagat, den er und sein zukünftiges Team vollführen müssen, beschreibt er deshalb knapp: „Atmosphäre nicht ruinieren, aber Rendite erwirtschaften.“ Mit mehr und höherwertigen Rennen, aber auch mit dem Verkauf des Produkts „Galopprennsport in Hoppegarten“ an potente Sponsoren.

In einigen Jahren wieder 500 Pferde

„Mein Ziel ist es, die Rennbahn wieder zu einer der beliebtesten Freizeit- und Sportstätten in Berlin und Brandenburg zu machen“, sagt Schöningh. Die kolportierte Zahl von zehn Millionen Euro Gesamt-Investitionssumme nennt er jedoch übertrieben. „Wir werden sehr kostenbewusst arbeiten. Ich bin überzeugt davon, dass Hoppegarten wirtschaftlich zu führen ist.“ Für seine Kaufentscheidung sei die Nähe zu Berlin ein mitentscheidender Punkt gewesen. Das ermögliche große Zuschauerzahlen. In diesem Zusammenhang erinnert der 46-jährige Pferdeliebhaber, der nicht mehr zu arbeiten gezwungen ist und viel Zeit für Hoppegarten hat, an den Deutsch-Deutschen Renntag 2000. Damals kamen über 40 000 Besucher.

Wie und mit welchem Aufwand Schöningh aber den Investitionsstau, der in den vergangenen Jahren entstanden ist, auflösen will, dazu möchte er sich detailliert erst am 24. April äußern. Aber er wisse, dass auch Sofortmaßnahmen notwendig sind, etwa im sanitären Bereich. Am 26. April beginnt die neue Saison, und die Organisation der insgesamt acht Rennen habe erst einmal Vorrang. Schöningh will „das Prinzip Gießkanne vermeiden, nicht an vielen Ecken gleichzeitig investieren, sondern eine graduelle Aufwärtsbewegung in Hoppegarten erreichen“. Dabei seien ihm auch die Meinungen der in Hoppegarten ansässigen Trainer und Pferdebesitzer sehr wichtig. Mittelfristig soll der Pferdebestand, der von einst 400 zu DDR-Zeiten auf 120 Tiere gesunken ist, wesentlich erhöht werden. In einigen Jahren könne er sich einen Bestand von 500 Pferden vorstellen, sagt Schöningh. In Zukunft müsse es außerdem mehr Rennen und ein höheres sportliches Niveau geben. Problematisch sei jedoch, dass die „Musik im Rennsport momentan in Westdeutschland spielt und Hoppegarten da etwas weit weg vom Schuss ist“. Die Rennbahn müsse aber auch für Trainer aus dem Westen attraktiver werden.

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