Der Tagesspiegel : Hoppegarten: Aufgalopp zum Saisonstart

Ingo Wolff

Den ganzen Winter haben die Damen der feinen Gesellschaft auf dieses Ereignis gewartet. Am Sonntag können die verstaubten Hutkisten aus dem Keller geholt und die teuren Stücke wieder ausgeführt werden - wenn auch mit fünfwöchiger Verzögerung. Nach drei abgesagten Veranstaltungen findet auf der Galopprennbahn Hoppegarten der erste Renntag in diesem Jahr statt und damit ist auch für die Hautevollee die Hutsaison wieder eröffnet.

Obwohl es in Hoppegarten vielfach um sehen und gesehen werden geht, finden nicht nur wohlbetuchte Besucher zwischen Tribüne, Geläuf und Führring ihren Spaß. Die Rennbahn vor den Toren Berlins ist ein Ausflugsziel für die ganze Familie und ist nach Ansicht vieler Galoppexperten die landschaftlich schönste in Europa. Unter den 10 000 Zuschauer, die bei sonnigem Wetter mit der S-Bahn (S5 bis Hoppegarten/Mark) oder dem Auto (B5 bis Dahlwitz-Hoppegarten, dann ausgeschildert bis Rennbahnstraße) in den östlichen Vorort Berlins kommen, findet sich alles vom pferdefanatischen Mädchen bis zum harten Zocker. Denn im Mittelpunkt stehen natürlich die neun Pferderennen (Sonntag, Beginn 13.55, Einlass ab 12 Uhr). Höhepunkt des Möbel-Hübner-Renntages ist ein Lauf um die Weltmeisterschaft der Amateurreitrinnen. Die Amazonen unter den Jockeys stehen ihren männlichen Profikollegen aber in nichts nach. Im Gegenteil: Frauen, wie die Deutsche Meisterin Elke Schütz sind selbst auf dem Pferd eine Augenweide und bieten in diesem Sport einen besonderen Reiz. Die insgesamt drei Läufe um den Ladys-Cup stehen unter der Schirmherrschaft von Altbundespräsident Walther Scheel, der einer von zahlreichen Prominenten an diesem Wochende ist, die sich gerne in Gesellschaft mit den Pferde zeigen. Vor allem aus der Wirtschaft und der adligen Gesellschaft finden sich häufig Gäste beim Veranstalter Union-Klub ein. So ist Gräfin Tini von Rothkirch ebenso auf der Rennbahn zuhause woie Mitglieder aus dem Hause Hohenzollern.

Bis zum letzten sportlichen Vergleich der Hengste und Stuten um 18.35 Uhr werden dann 105 Galopper erst in den Führring - wo sie den Zuschauern präsentiert werden - und dann in die Startbox geführt. In der halben Stunde zwischen den Rennen sollte bei so einer Auswahl eigentlich jeder wenigsten einmal den Mindesteinsatz von 2,50 Mark auf den Sieger oder gar auf die ersten zwei oder drei Pferde des so genannten Einlaufs setzten. Mit etwas Glück hat man dann vielleicht sogar den Eintritt raus, der bei sieben Mark für die Stechplatzkarte beginnt und bei 40 Mark für die Loge endet. Natürlich gibt es auch einfache Sitzplätze für 15 Mark. Besonders reizvoll ist allerdings der Blick von der Klubtribüne (20 Mark) oder der Terasse (10 Mark). Insgesamt stehen 3000 überdachte und 1000 nicht überdachte Sitzplätze zur Verfügung. Letztere dürften bei der Wettervorhersage wohl die begehrtesten sein. Ebenso begehrt, wie die wenigen Parkplätze um das weitläufige Gelände der brandenburgischen Rennbahn.

Da die Abfahrt nach dem Renntag durch eine Ampel an der B5 gemeinsam mit dem sonstigen Ausflugverkehr ohnehin zu langen Wartezeiten in Richtung Stadtgrenze zwingt, rät der Veranstalter zur Anfahrt mit der S-Bahn. Die vier Minuten Fußweg vom Bahnhof zu den Kassen kann man dann gleich mit einem Sonntagsspaziergang im grünen Umfeld des Ortes Dahlwitz-Hoppegarten verbinden.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben