Horst Köhler : "Deutschland braucht mehr Eliten"

Bundespräsident Köhler hat sich bei einem Festakt in der Führungsakademie der Bundeswehr für eine "systematische Bestenauslese bei Chancengleichheit" ausgesprochen. Die fehle in vielen Bereichen.

Köhler Eliten
Elitenförderung: Bundespräsident Köhler hat sich für eine "systematische Bestenauslese bei Chancengleichheit" ausgesprochen.Foto: dpa

Hamburg Beim Festakt zum 50-jährigen Bestehen der Führungsakademie der Bundeswehr - der Kaderschmiede des militärischen Spitzenpersonals - sagte er in Hamburg: "Systematische Bestenauslese bei Chancengleichheit - davon sind wir in den meisten (...) Lebensbereichen leider weit entfernt." Er forderte bessere Schulen, Universitäten und mehr Unterstützung von Hochbegabten. "In allen diesen Bereichen muss unglaublich viel nachgearbeitet werden." Mit Blick auf die Auslandseinsätze ermunterte Köhler die Bundeswehrsoldaten, deutlich auf mögliche Missstände hinzuweisen. Gleichzeitig warf er einem großen Teil der Gesellschaft vor, nach wie vor ein "freundliches Desinteresse" an der Bundeswehr zu haben.

Köhler betonte, im öffentlichen Dienst fielen ihm als Pendant zur Führungsakademie nur der Eingangstest und die Attachéausbildung des Auswärtigen Amtes ein. "In den anderen Bereichen von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft gibt es wohl nichts, was der generalstabsmäßigen Offizierauslese der Bundeswehr an die Seite gestellt werden kann", sagte der Präsident vor rund 300 Gästen. Die Führungsakademie wurde 1957 in Bad Ems gegründet und hat seit 1958 ihren Sitz in Hamburg. Seit 1962 steht sie auch Militärs aus anderen Ländern offen.

Elite mit gemeinsamen Wertekanon gesucht

Um eine demokratische Leistungs- und Verantwortungselite mit gemeinsamem Wertekanon formen zu können, müsse bereits in den Schulen Chancengleichheit herrschen, forderte Köhler. Das setze Universitäten voraus, "deren Qualität in Lehre, Forschung und akademischem Zusammenleben bei den Absolventen lebenslange Dankbarkeit stiftet und die Überzeugung, das Gemeinwesen habe ihnen etwas sehr Wertvolles gegeben und erwarte nun mit Recht gerade von den Besten einen hervorragenden Beitrag zum Gemeinwohl", sagte der Bundespräsident. Auch beklagte er eine ungenügende Förderung von Hochbegabten.

Die Führungsakademie dagegen sei auch dank der allgemeinen Wehrpflicht "dem Ideal der Bestenauslese beispielhaft nahe", sagte Köhler. Das militärische Führungspersonal benötige mehr als rein militärisches Können. Es "braucht eine breite Allgemeinbildung, fundierte politische Kenntnisse und wissenschaftlichen Geist." Die Soldaten erwarteten von ihren militärischen Führern aber auch Klartext nach "oben" und "außen" hin zu den außen- und verteidigungspolitisch Verantwortlichen, hin zur Öffentlichkeit.

Dazu gehöre, dass das Parlament erfahren müsse, wenn Soldaten erlebten, "dass in einem Einsatzgebiet auch nach Jahren noch keine Fortschritte erzielt wurden oder dass die Zeit, die ihr Einsatz läuft, nicht für den energischen zivilen Aufbau genutzt wird". Auf der anderen Seite müsse darauf geachtet werden, "dass die Auslandseinsätze die Truppe nicht innerlich von der Gesellschaft als ganzer entfernen". (mit dpa)