"Hostel 2" : Auf die Folter gespannt

Rund 3,3 Millionen Euro hatte Eli Roth zur Verfügung, um 2006 seinen Horrorfilm "Hostel" zu produzieren. 75 Millionen Euro spülte der Überraschungshit zurück in die Kasse - da war über eine Fortsetzung schnell entschieden.

Berlin Rund 3,3 Millionen Euro hatte Eli Roth zur Verfügung, um 2006 seinen Horrorfilm "Hostel" zu produzieren. 75 Millionen Euro spülte der Überraschungshit zurück in die Kasse - da war eine Fortsetzung schnell entschieden. Und so machte sich der 35-jährige US-Regisseur ("Cabin Fever") ans Werk, binnen eines Jahres das Konzept seines Folterschockers noch einmal auf neue Opfer anzuwenden. Sind es im ersten Teil drei junge Männer, die in einem slowakischen Hostel gekidnappt und verschleppt werden, so treten nun drei US-Studentinnen - Lauren German ("The Texas Chainsaw Massacre"), Heather Matarazzo ("Willkommen im Tollhaus") und Bijou Phillips ("Almost Famous") unfreiwillig den Weg in die Hölle auf Erden an.

Sie enden gleichermaßen in einer Art Folterfabrik, wo sie als Spielzeug für zahlungskräftige Sadisten herhalten müssen, die nach allen Regeln der Kunst foltern, zerstückeln und auf Wunsch auch verspeisen oder in ihrem Blut baden. Eines muss man Eli Roth lassen: Er ist ein guter Handwerker, kennt die Horrorklassiker und weiß die Klaviatur des Leinwandgrauens zu bedienen. Gleichwohl: Abgesehen vom Plot vermag er dem Genre nichts Neues hinzuzufügen. Und Subtilität oder Hintergründigkeit ist nicht seine Sache.

Roth will verstören

Roth will verstören, in dem er genau das zeigt, wo sonst die Kamera wegschwenkt und den Rest der Fantasie des Zuschauers überlässt. Köpfe und Geschlechtsteile werden bei lebendigem Leibe abgetrennt, Menschen von Bluthunden zerfleischt oder Scheibchen für Scheibchen genussvoll verzehrt. Roth verletzt in jeder Hinsicht und mit Vorsatz die Grenzen des guten Geschmacks.

Für ihn sind seine Filme nach eigener Aussage die Reaktion auf die Gewalt und Angst, die durch Kriege, Terrorgefahr und staatliche Repressalien ausgelöst werden. Doch es ist mehr als fraglich, ob mit dieser dünnen Argumentation die detailliert ausgebreitete Idee eines privaten Guantánamo in Osteuropa zu rechtfertigen ist. Die Charaktere wiederum sind bereits auf den ersten Blick einzuordnen: Solch klischeehafte wie eindimensionale Bösewichte hat es schon lange nicht mehr auf der Leinwand gegeben.

Grenzüberschreitung inklusive

Roth interessiert letztlich nur der pornografische Blick und die Grenzüberschreitung: Wie viel kann ich dem Zuschauer zumuten und wie viel mutet er sich selbst zu? Dazu treibt er seinen Henkern alles Menschliche aus und zeigt sie als Bestien in zivilisierter Menschengestalt. Der Betreiber der Folteranlage (gespielt von dem slowakischen Schauspieler und Ex-Kulturminister Milan Knazko) etwa lebt in einem mit Kunst vollgestopften Privatschloss.

Die beiden Foltertouristen Stuart und Todd wiederum (gespielt von den "Desperate Housewife"-Stars Roger Bart und Richard Burgi) sind im bürgerlichen Leben artige Familienväter, die sich nach dem besonderen Kick sehnen. Für die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft war die Originalfassung von Roths Werk übrigens zu viel. Selbst um eine Freigabe ab 18 Jahren zu erhalten, musste der deutsche Verleih einige Schnitte vornehmen. (Von Axel Schock,ddp)

("Hostel 2", Horrorfilm, USA 2007, 93 Minuten, FSK: 18, Regie: Eli Roth, Darsteller: Heather Matarazzo, Roger Bart, Lauren German, Bijou Phillips, Richard Burgi u. a.) Kinostart: 14. Juni 2007