Der Tagesspiegel : Hotel für Behinderte: In Rheinsberg können sich Rollstuhlfahrer erholen

Claus-Dieter Steyer

Fenster und Türen schließen per Knopfdruck, der Waschtisch im Bad fährt je nach Wunsch hoch oder runter und im Schrank hängt die Kleiderstange extra niedrig - ein idealer Raum für Rollstuhlfahrer. Andere Räume sind speziell für Sehschwache ausgerüstet: Der Badewannenvorhang ist kontrastreich, das Telefon mit den großen Nummern sendet bei jedem Anruf einen grellen Blitz aus. Das Bett besitzt mehrere Notrufknöpfe und kann in der Höhe verstellt werden.

Zimmer - nicht aus in einer Klinik , sondern in einem Hotel. In Rheinsberg eröffnete gestern "Haus Rheinsberg", das deutschlandweit erste Hotel für Behinderte. 108 Zimmer mit 150 Betten stehen hier geschädigten Menschen und ihren Begleitern oder Pflegern zur Verfügung. 60 Millionen Mark hat die 1916 gegründete und in Berlin ansässige Fürst Donnermarck-Stiftung auf einem Grundstück direkt am Grienericksee investiert. Das Brandenburger Wirtschaftsministerium schoss 7,5 Millionen Mark zu.

Beim Spaziergang durch das dreistöckige Gebäude fällt auf, dass die Bauherren unbedingt den Krankenhauscharakter vermeiden wollten. Helle Flure, Kunst an den Wänden und ein freundliches Servicepersonal verbreiten angenehme Stimmung. Natürlich gibt es trotzdem Unterschiede zu einem normalen Hotel. Auf Stufen wurde verzichtet, an den Wänden sind Handläufe montiert und die Fahrstühle sind extra geräumig. Im Restaurant, in der Schwimmhalle, auf der Kegelbahn oder im Kinosaal herrschen Weite und kontrastreiche Farben vor.

Die Tresen an der Rezeption sind flach, das Personal setzt sich dem Rollstuhlfahrer gegenüber. Die Umbauten machten das Hotel um rund ein Drittel teurer gegenüber einem vergleichbaren Gebäude. "Aus steuerlichen Gründen darf unsere gemeinnnützige Stiftung nur Menschen mit einer mindestens 50-prozentigen Behinderung aufnehmen", sagt Guidotto Fürst von Donnersmarck. Für sie würden die Zimmer subventioniert. Begleiter brauchten nur den normalen Zimmerpreis bezahlen, der in der Hochsaison zwischen 120 und 200 Mark liegt.

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