Humanitäre Katastrophe : Somalier fliehen in Massen

Die Vereinten Nationen und internationale Hilfsorganisationen warnen vor einer Eskalation der Gewalt und der humanitären Krise in Somalia. Hunderttausende sind bereits geflohen und Millionen benötigen dringend Hilfe.

somalia
Flucht aus der somalischen Hauptstadt. -Foto: AFP

Nairobi/MogadischuChristian Balslev-Olesen, UN-Koordinator für Humanitäre Maßnahmen in dem Land am Horn von Afrika, rief die Konfliktparteien dazu auf, den Schutz der Zivilbevölkerung zu gewährleisten und humanitären Organisationen sicheren Zugang zu Flüchtlingen und anderen Notleidenden zu ermöglichen. "Das schulden wir dem somalischen Volk, das schon zu lange und zu viel gelitten hat", schrieb Balslev-Olesen in einem offenen Brief. Inzwischen seien mehr als 800.000 Menschen geflohen und 1,5 Millionen benötigten humanitäre Hilfe.

Vor zwei Tagen hatten bereits 40 internationale Hilfsorganisationen in einem gemeinsamen Appell gewarnt, sie hätten kaum noch Zugang zu ihren Schützlingen. Nach den schweren Kämpfen am Wochenende in der somalischen Hauptstadt Mogadischu und dem Rücktritt von Regierungschef Ali Mohammed Ghedi Anfang der Woche habe sich die Lage weiter destabilisiert. "Wir können nicht abseits stehen, während tausende Kinder und ihre Familien eine der schlimmsten humanitären Katastrophen der Gegenwart erleiden", betonte Graham Davison, Programmdirektor für Somalia bei christlichen Hilfswerk World Vision.

Im Dezember 2006 hatten Soldaten der somalischen Übergangsregierung mit Hilfe äthiopischer Truppen die Vorherrschaft der Islamisten in dem vom Bürgerkrieg verwüsteten Land am Horn von Afrika gebrochen. Seitdem liefern sich islamistische Milizen sowie örtliche Clans einen Guerillakrieg mit den von Äthiopien unterstützten Truppen der schwachen Übergangsregierung. Eine Friedenstruppe der Afrikanischen Union (AU) soll für Ordnung sorgen. Bis jetzt ist aber nur ein kleiner Teil der geplanten 8000 AU-Soldaten in Somalia eingetroffen. (mit dpa)