Hybridkraftwerk : Millionen-Investition auf dem Rapsfeld

Bundeskanzlerin Merkel legt bei Prenzlau den Grundstein für das weltweit erstes Hybridkraftwerk. Die Betreiber haben ein neues Konzept, mit dem sie Windenergie speichern wollen. Für die Kanzlerin ist das "zukunftsweisend".

Claus-Dieter Steyer

Prenzlau - Das Wetter meinte es gut in der flachen Uckermark. Die Windräder drehten sich wild um die eigene Achse, dazu strahlte die Sonne und der dunkle Hubschrauber der Bundeskanzlerin hob sich kontrastreich von den fast schon knallgelb blühenden Rapsfeldern ab. Als Frau Merkel wenig später im Festzelt vor 200 Gästen ans Mikrofon trat, fielen bedeutungsschwere Worte. Das innerhalb eines Jahres auf einem staubigen Feld neben einer schmalen Landstraße entstehende weltweit erste Hybridkraftwerk sei „zukunftsweisend für erneuerbare Energien“ und „ein qualitativer Meilenstein“. Auch mithilfe dieser neuen Technologie wäre das bis zum Jahre 2020 angepeilte Ziel erreichbar, 20 Prozent des gesamten Energiebedarfs in Deutschland aus Wasser, Wind, Sonne und Biomasse wie Raps zu decken. Zum Glück seien gerade jetzt viele Menschen bereit, Neuland zu betreten, so Merkel.

Mit einem von ihnen, Jörg Müller, legte sie kurze Zeit später den Grundstein für das Hybridkraftwerk. Müller hatte vor 18 Jahren, als die ersten großen Windräder in Brandenburg auftauchten, im Zelt unter einem solchen Monstrum geschlafen. „Ich wollte ganz nah an den Geräuschen der Rotoren sein, um vielleicht ihre Laufeigenschaften zu verbessern“, erinnert sich der 45-jährige Ingenieur und heutige Chef der Enertrag AG, die das 21 Millionen Euro teure Kraftwerk baut. „Tatsächlich haben sich die Windräder in kurzer Zeit immer stärker verbessert, so dass der Wirkungsgrad in 15 Jahren um die Hälfte zunahm.“

Allerdings stehen die Windräder selbst in der wenig bebauten Uckermark an vielen Tagen im Jahr still, während an Sturmtagen niemand mit der dann massenhaft produzierten Energie etwas anzufangen weiß. Es fehlten Speichermöglichkeiten, die nun Wissenschaftler aus Stralsund und Cottbus zusammen mit den Enertrag-Fachleuten offenbar gefunden haben: „Wird durch die Windkraftanlagen zu viel Strom produziert, nutzen wir diesen zur Herstellung von Wasserstoff durch Elektrolyse“, erklärte der Enertrag-Vorstand Werner Diwald. „In windschwachen Zeiten wird der Wasserstoff zusammen mit dem vor Ort produzierten Biogas gemischt und in zwei Blockheizkraftwerken in Strom und Wärme umgewandelt.“ Wasserstoff sei außerdem ein möglicher Ersatz für Benzin und Diesel. Die Bundeskanzlerin sprach später von einem Wettkampf zwischen „Elektroantrieb und Wasserstoff“. Sie sei gespannt, was sich in der Autoindustrie durchsetze.

Voraussetzung für Hybridkraftwerke sind viele neue Windräder, wogegen sich in der Uckermark vor allem wegen der optischen Beeinträchtigung erheblicher Widerstand regt. „Wenn es in dieser schönen Landschaft nur noch Windräder gibt, kommen keine Touristen mehr“, sagte Hans-Joachim Mengel, Chef der Bürgerinitiative „Rettet die Uckermark“ bei einer Protest-Demo am Sonntag in Prenzlau. „Dann kann dieser Landstrich vergessen werden.“ Windkraftgegner kamen am Dienstag zum Festzelt nicht durch. „Teilnahme nur mit Einladung“, lautete die Parole an den Polizeisperren rund um die Grundsteinlegung. 

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