Iberoamerikanischer Gipfel : Chávez beschimpft Aznar als Faschist

Eklat beim Iberoamerika-Gipfel: Venezuelas Präsident Hugo Chávez bezeichnete Spaniens Ex-Regierungschef José María Aznar mehrfach als "Faschisten". Der spanische König Juan Carlos verließ empört das Forum.

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Der venezolanische Präsident Hugo Chávez auf dem Iberoamerika-Gipfel. -Foto: AFP

Der venezolanische Präsident hatte sich zuvor wiederholt abfällig über Spaniens Ex-Regierungschef José María Aznar geäußert. Dennoch einigten sich die Staats- und Regierungschefs auf eine Abschlusserklärung, in der ein starker Staat, bessere soziale Netze, mehr Bildung, mehr Arbeitsplätze, bessere Lebensbedingungen für die Armen sowie modernisierte Steuersysteme gefordert werden.

"Warum hälst Du nicht einfach den Mund?"

Während des Treffens der lateinamerikanischen Staaten, Spaniens und Portugals bezeichnete Chávez, der für wütende Ausfälle gegen ausländische Politiker bekannt ist, Aznar mehrfach als "Faschisten". Als er seine Äußerung kurz vor dem Ende des Gipfels noch einmal wiederholte, forderte der spanische König Chávez auf, den Mund zu halten. Der spanische Regierungschef José Luis Rodríguez Zapatero hatte den venezolanischen Staatschef zuvor darauf hingewiesen, dass seine abfälligen Bemerkungen über Aznar nicht diplomatischen Gepflogenheiten entsprechen. Als Chávez Widerworte geben wollte, fuhr der Monarch dazwischen und sagte: "Warum hälst Du nicht einfach den Mund?" Nachdem Nicaraguas Präsident Daniel Ortega Chávez erneut das Wort erteilte, verließ Juan Carlos aufgebracht den Saal.

Spanischen Medienberichten zufolge bedankte sich Aznar nach dem Vorfall telefonisch bei seinem Nachfolger Zapatero und dem König für deren Unterstützung. Das Fernsehen des Landes sendete die Bilder des Wortgefechts in einer Wiederholungsschleife.

Trotz des Zwischenfalls setzten die Staats- und Regierungschefs eine Abschlusserklärung auf. Danach wird ein starker Staat, bessere soziale Netze, mehr Bildung, mehr Arbeitsplätze, bessere Lebensbedingungen für die Armen sowie modernisierte Steuersysteme gefordert.

Die Gespräche seien "offen und geradeheraus" gewesen "in einer Atmosphäre, in der es Differenzen gab", räumte Enrique Iglesias, Generalsekretär des Gipfels, auf einer Pressekonferenz am Freitagabend ein. Diese Beschreibung ließ eine heftige Debatte zwischen den Vertretern des sogenannten antiliberalen Flügels unter Chávez und den konservativen Politikern anderer Staaten vermuten. Chávez hatte von Anfang an mit offensivem Auftreten das von anderen gewünschte Thema des sozialen Zusammenhalts zurückgewiesen.

Finanzhilfe Spaniens angekündigt

Spaniens Regierungschef José Luis Rodríguez Zapatero kündigte eine Finanzhilfe Spaniens für den lateinamerikanischen Kontinent in Höhe von einer Milliarde Euro im Jahr 2008 an. "Das ist eine Verpflichtung, ein moralisches Muss, Spanien will wachsen, aber nicht allein", sagte er. Das Geld solle für Bildungs- und Gesundheitsprojekte bereitgestellt werden.

Am iberoamerikanischen Gipfel, der zum größten Teil von Spanien finanziert wird, nahmen von Donnerstag bis Samstag 20 Staats- und Regierungschefs teil. (mit AFP)