ICE-Bordprogramm : Abgestöpselt

Das ICE-Bordprogramm rollt allmählich aufs Abstellgleis. Im ICE 2 kann man sich noch in Hitradios, Märchen oder Klassik einklinken.

Eckhard Stengel

Wer in diesem Sommer erstmals seit Jahren wieder mit der Bahn in Urlaub fahren will, erlebt womöglich eine kleine Enttäuschung: Die Deutsche Bahn hat nach und nach bei einem Drittel ihrer ICE-Züge das per Ohrhörer zu empfangende Bordprogramm abgeschafft. Freuen können sich dagegen die Nutzer eigener Musikabspielgeräte und tragbarer Computer: Sie finden jetzt häufiger Steckdosen am Sitzplatz. Und teilweise sogar ein Wlan-Funknetz zum Einwählen ins Internet.

Vor allem auf langen Reisen ist das Bordprogramm ein angenehmer Luxus: Wer einen kleinen Ohrhörer mitbringt oder ihn im Bordrestaurant kauft, kann ihn am Sitzplatz in eine Buchse einstöpseln – und hat sofort mehrere Radiosender, Kindergeschichten oder Hörbücher zur Auswahl. Vor allem Kinder überstehen lange Reisen damit eher ohne Murren. In Teilen der 1. Klasse werden sogar Videos gezeigt.

Einsteigen, einstöpseln, einschalten – das funktioniert jetzt aber immer seltener. Wie DB-Sprecher Andreas Fuhrmann dieser Zeitung berichtete, haben inzwischen 87 der insgesamt 252 ICEs keine Audio- und Videoanlagen mehr an Bord, nämlich die nach und nach modernisierten Züge der ersten Generation (ICE 1) und alle Triebwagen der zweiten Bauserie des Neigetechnik-ICE (ICE-T).

Dafür ließ die Bahn in diesen Zügen an allen Sitzplätzen Steckdosen installieren. Die gab es hier früher nur an den wenigen Tischen. „Wir haben uns damit an wechselnde Kundenbedürfnisse angepasst“, sagt Bahnsprecher Fuhrmann. Heutzutage bringe die Mehrheit der Kunden eigene MP3-Abspielgeräte oder Laptops samt Film-DVD mit. Folglich gehe die Nachfrage nach dem Bordprogramm zurück, während verstärkt Stromanschlüsse gebraucht würden. Fuhrmann: „Der Trend geht eindeutig zur Steckdose.“

Und auch zum Wlan-Funknetz. Bereits in mehr als 50 ICE-Zügen können sich Laptop-Benutzer per „Hotspot“ ins Internet einwählen. Droht da keine Strahlengefahr? „Wir achten sehr genau darauf, dass alle Normen eingehalten werden“, versichert Fuhrmann.

Wann das Bordprogramm endgültig auf dem Abstellgleis landet, scheint bisher noch unklar. Der nächste Umstellungskandidat wäre laut Fuhrmann in wenigen Jahren die Generation ICE 2 mit ihren 44 kuppelbaren Halbzügen. Noch kann man sich dort in Hitradios, Märchen oder Klassikkonzerte einklinken, während die Stromanschlüsse bisher rar gesät sind.

Traditionalisten können jetzt nur hoffen, dass es noch etwas länger dauert, bis auch der ICE 3 umgebaut wird. Die 63 Züge der dritten Generation bieten bislang sowohl Programme für Ohrhörer als auch Steckdosen an jedem Sitzplatz. Und machen damit alle möglichen Bahnfahrer froh: die Technikfans ebenso wie diejenigen Fahrgäste, die ihr Gepäck nicht auch noch mit Laptops, MP3-Playern und Netzgeräten aufblähen wollen – wenn sie überhaupt so etwas besitzen. Eckhard Stengel

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