Der Tagesspiegel : „Ich greife Schönbohm nicht an“ Matthias Platzeck über das Verhältnis zur CDU

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CDUInnenminister Jörg Schönbohm ist in die Kritik geraten, weil er 2002 den damaligen Wirtschaftsminister Wolfgang Fürniß (CDU) über eine Geldwäsche-Anzeige informierte. Sehen Sie Klärungsbedarf?

Ich halte mich an die rechtliche Bewertung, wonach ihm wohl kein Vorwurf zu machen ist. Aber ich hätte mir schon gewünscht, dass er angesichts der Brisanz des Falles vor seinem Telefonat mit Fürniß den Ministerpräsidenten informiert.

Warum so zurückhaltend?

Ich will alles vermeiden, dass dieses schwierige Thema in den Wahlkampf gezogen wird.

Es vergeht kaum ein Tag ohne wechselseitige Angriffe von CDU und SPD. Wie belastet ist das Koalitionsklima?

Ich tue alles, um kein Öl ins Feuer zu gießen. Aber mich ärgert, wenn CDU-Politiker den Fall des toten Dennis innerhalb von wenigen Stunden parteipolitisch missbrauchen, um anderen Versagen vorzuwerfen.

In der SPD nimmt die Stimmung gegen Schönbohm zu?

Wenn es so ist, liegt es nicht an mir. Ich habe Jörg Schönbohm bislang nicht persönlich angegriffen. Aber wenn er mir vorwirft, dass ich mich bei der Bundesregierung nicht genügend für Brandenburg einsetze, dann ist das abstrus und verbessert nicht die Stimmung in der SPD. Nebenbei: Während er diese Rede hielt, habe ich mich um Brandenburg gekümmert. Die von der Bundesregierung beschlossene Erhöhung der Ost-Förderung ist auch ein Effekt dieser Beharrlichkeit.

Es geht also in Richtung Rot-Rot?

Ich halte nichts von solchen Sandkastenspielen. Mein Ziel ist es, dass die SPD wieder stärkste Partei wird. Aber es spielt schon eine Rolle, welche Wunden der Wahlkampf hinterlässt. Bei ordentlichem Umgang miteinander und einem klaren Votum der Wähler sind die Chancen größer, die Koalition fortzusetzen.

Der CDU-Chef will bis Mitte August eine klare Koalitionsaussage von Ihnen?

Ich lasse mir keine Ultimaten stellen.Die Fragen stellten Michael Mara und Thorsten Metzner

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