Der Tagesspiegel : „Ich war wie ein Tier“

Frank Schmökel will das Gericht davon überzeugen, dass er seit seiner Kindheit unter psychischen Störungen litt

Claus-Dieter Steyer

Neuruppin. Der des Mordes und dreifachen versuchten Totschlages angeklagte Frank Schmökel stellt sich vor Gericht weiterhin als ein unter schweren psychischen Störungen leidender Mensch dar. Schon als Heranwachsender habe er vor „großen Problemen“ im Umgang mit Frauen gestanden, sagte der 40-Jährige gestern am insgesamt sechsten Verhandlungstag in Neuruppin.

Ruhig und ohne Regung schilderte er einen brutalen Übergriff auf ein Mädchen im Jahre 1988. „Ich wollte ihr nach einem Betriebsfest meine Liebe gestehen. Als ich dem Haus näher kam, sah ich das Mädchen durch ein Fenster nackt in der Badewanne", sagte er. „Wie ein Tier bin ich auf das Garagendach geklettert, habe die Ziegel runtergerissen, um ins Haus zu kommen.“ Er sei nur noch auf das Mädchen fixiert gewesen, das er dann auf das Bett gedrückt habe. „Dabei waren die Eltern des Mädchens eigentlich wie eine Ersatzfamilie für mich gewesen."

In einer vorangegangenen Vernehmung hatte Schmökel auch den von ihm lebensgefährlich mit sechs Messerstichen verletzten Pfleger als „Ersatz-Vater“ bezeichnet. Im Oktober 2000 war der Angeklagte bei einem Freigang aus dem Maßregelvollzug entwischt. Auf seiner Flucht schlug er nach eigenem Geständnis einen Rentner, der an den Folgen der Verletzungen verstarb.

Nach der Tat im Jahr 1988 wurde Schmökel wegen versuchter Vergewaltigung zu anderthalb Jahren Haft verurteilt. Er kam nach einer Weihnachts-Amnestie im Wendejahr 1989 frei. Seit 1993 sitzt er im Maßregelvollzug, nachdem er wegen des Missbrauchs eines Kindes zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt worden war.

In seiner Kindheit und Jugendzeit habe er stets nach Geborgenheit, Aufmerksamkeit und einem Lebensziel gesucht, sagte der 1,92 Meter große Mann. Doch nie sei er erfolgreich gewesen. „Ich habe nie gelernt, den Wecker zu stellen, Geld vernünftig auszugeben und mit Alkohol und Mädchen umzugehen.“ Schmökels Zeugnis der 8. Klasse spricht jedoch von einem „hilfsbereiten und intelligenten Schüler". Gleichzeitig habe er „häufig gegen die Normen der Schulordnung verstoßen.“ Mit 16 Jahren schickte ihn seine Mutter in ein Heim.

Der Prozess wird am Montag fortgesetzt. Das ursprünglich für den 28. November erwartete Urteil ergeht wohl erst Anfang bis Mitte Dezember.

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