Ifo : Geschäftsklima verschlechtert sich überraschend deutlich

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im September überraschend deutlich eingetrübt. Der Ifo-Geschäftsklimaindex fiel von 105,8 Punkten im Vormonat auf 104,2 Punkte.

MünchenNach dem fünften Stimmungseinbruch in Folge in der deutschen Wirtschaft befürchten Experten ein Ende des Aufschwungs. Die Turbulenzen auf den Finanzmärkten nach der US-Immobilienkrise hätten "erste konjunkturelle Bremsspuren" hinterlassen, erklärte der Präsident des Münchener Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn. Der Geschäftsklimaindex des Instituts, das wichtigste Stimmungsbarometer der deutschen Firmen, war im September überraschend klar auf 104,2 Punkte gefallen, den niedrigsten Stand in diesem Jahr. Analysten hatten mit einem leichteren Rückgang gerechnet.
   
Die für den Ifo-Geschäftsklimaindex befragten 7000 Unternehmen zeigten sich mit ihrer gegenwärtigen Situation deutlich unzufriedener als noch im August. Auch die Aussichten für das kommende halbe Jahr trübten sich ein. Damit setzte sich der Trend fort. Das Stimmungsbarometer der deutschen Wirtschaft war im Mai zunächst leicht, dann jedoch Monat für Monat deutlicher gesunken.
   
Jedoch gab es wieder deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Branchen. Das verarbeitende Gewerbe bewerte seine derzeitige Lage weiterhin günstig. Hier seien nur die Erwartungen etwas verhaltener, erklärte das Ifo-Institut. Noch bereite auch der hohe Eurokurs den exportorientierten Unternehmen keine großen Sorgen. Dagegen zeigte sich die Baubranche unzufrieden mit ihrer Situation und berichtete von trüben Aussichten. Spürbar verschlechtert hätten sich Lage und Perspektiven im Einzelhandel. Die von Experten beschworene anziehende Nachfrage der Verbraucher im Inland scheint bei den Einzelhändlern nicht anzukommen.
  
Anstieg der Leitzinsen als Konjunkturbremse

Dass sich die Stimmung in der deutschen Wirtschaft eingetrübt habe, sei nur teils eine Reaktion auf die Finanzmarktkrise, betonte Christoph Weil von der Commerzbank. Vielmehr habe der Anstieg der Leitzinsen durch die Europäische Zentralbank (EZB) die Geldbeschaffung für Unternehmen verteuert und damit die Konjunktur gebremst. Zudem habe die Weltwirtschaft an Schwung verloren und der Euro deutlich an Wert gewonnen. All das bremse die deutschen Firmen. Zudem belaste der gestiegene Ölpreis die Unternehmen, ergänzte Brian Mandt von der Postbank. Auch die Verbraucher hätten nach den teils heftigen Preisanstiegen für Lebensmittel und Kraftstoff weniger Geld in der Tasche, betonte Global-Insight-Volkswirt Timo Klein.
   
Mit 104,2 Punkten liege der Ifo-Geschäftsklimaindex aber noch immer über dem Schnitt der vergangenen zehn Jahre von knapp 97 Zählern, betonte Analyst Mandt. Das deute weiterhin auf ein Wachstum der deutschen Wirtschaft hin, wenn auch verlangsamt. "Der Aufschwung hat seinen Gipfel verlassen und kommt nun in ein ruhigeres Fahrwasser", erklärte Mandt. Die deutsche Wirtschaft steuere auf einen regnerischen Herbst zu, erklärte Bank-of-America-Volkswirt Holger Schmieding. Es bestünden jedoch weiterhin gute Aussichten für einen freundlicheren Frühling. An der Börse sorgte der Ifo-Index für getrübte Stimmung. Der Deutsche Aktienindex (Dax) verlor in Frankfurt am Main zeitweise knapp einen Prozent auf 7725 Punkte. (mit AFP/dpa)