IG-Metall : Huber bekräftigt Festhalten an 35-Stunden-Woche

Auf dem nur alle vier Jahre stattfindenden Gewerkschaftstag will die IG Metall die Weichen für die Zukunft zu stellen - und bedient sich scheinbar alter Werkzeuge, die auf neu poliert werden. Der Arbeit soll "wieder ein gesundes Maß" gegeben werden.

LeipzigIn der neu entfachten Diskussion über ausufernde Arbeitszeiten hat der IG-Metall-Vorsitzende Berthold Huber das Festhalten seiner Gewerkschaft an der 35-Stunden-Woche bekräftigt. "Ich möchte sie festigen, indem wir die effektive Arbeitszeit, die heute fast 40 Stunden beträgt, wieder auf die tarifliche von 35 Stunden in der Woche zurückführen", sagte Huber beim Gewerkschaftstag der IG Metall in Leipzig. Notwendig sei eine Eingrenzung von Überstunden und Leiharbeit. Das Thema stand im Mittelpunkt der tarifpolitischen Debatten am fünften Konferenztag.

"Es reicht nicht aus, die Arbeitszeitverkürzung in der Vergangenheit erkämpft zu haben, man muss sie auch für die Zukunft absichern", sagte der IG-Metall-Chef, der in seiner Grundsatzrede am Mittwoch eine neue Arbeitszeitdebatte angestoßen hatte. Die Gestaltung und Verteilung der Arbeitszeit müsse besser den Bedürfnissen der Menschen in der modernen Arbeitswelt angepasst werden. Ingenieure hätten andere Ansprüche als Bandarbeiter. Für differenzierte Lösungen müsse die IG Metall an manchen Stellen über ihre bisherigen Konzepte hinausgehen, machte Huber klar. "Die 35 bleibt im Zentrum", betonte er.

Weg vom Flächentarifvertrag

In einer Entschließung forderten die gut 500 Delegierten, weiteren Verlängerungen sowie dem Verfall von Arbeitszeiten entgegenzuwirken. Die IG Metall orientiere sich "an dem Ziel, der Arbeit wieder ein gesundes Maß zu geben", heißt es in dem Text. Für Ältere oder Beschäftigte mit besonderen Belastungen werden kürzere Arbeitszeiten angestrebt. Für Arbeitszeitkonten sollen jährliche Obergrenzen, klare Zuführungs- und Entnahmeregelungen sowie eine Insolvenzsicherung vereinbart werden. Angesichts der Massenarbeitslosigkeit wird zudem am Ziel einer Arbeitszeitverkürzung festgehalten. Darauf könne "auf Dauer nicht verzichtet werden".

Gleichzeitig sprachen sich die Delegierten dafür aus, abweichende Regelungen vom Flächentarifvertrag und die Verbindlichkeit von Gegenleistungen zu verbessern. Das zunächst heftig umstrittene "Pforzheimer Abkommen" von 2004 in der Metall- und Elektroindustrie habe sich bewährt, da es den "Wildwuchs" eindämme. Die IG Metall werde darauf achten, Abweichungen wie längere Arbeitszeiten oder die Kürzung von Sonderzahlungen zu befristen und zu begrenzen. Sonst bestehe das Risiko, dass "der Ausnahmefall zur Regel wird" und der Flächentarifvertrag geschwächt wird. Der Gewerkschaftstag unter dem Motto "Zukunft braucht Gerechtigkeit" soll am Samstagmittag nach einer Woche zu Ende gehen. (mit dpa)