Der Tagesspiegel : Ihr Handy, bitte!

Bahn testet Ticket-System in Berlin und Potsdam

André Görke

Berlin/Potsdam - So eine Bahnfahrt kann nervig sein. Oft beginnt der Stress schon beim Kauf der Tickets. Wenn es schnell gehen soll und der ICE wartet, dann bewegen sich die Warteschlangen im Reisezentrum nicht vorwärts; und die Fahrkartenautomaten sind für Techniklaien ungefähr so leicht zu bedienen wie der neue Riesen-Airbus A 380.

Deshalb startet die Bahn am 23. November in der Region einen neuen Versuch: „Touch & Travel“ – zu Deutsch: berühren und reisen. Das Prinzip geht so: Der Reisende hält sein Handy am Abfahrtsbahnhof vor einen Sensor, meldet sich somit als Fahrgast an – und checkt genauso mit seinem Handy am Ziel wieder aus. Die zurückgelegten Kilometer rechnet das System zusammen und bucht das Geld ab.Am Freitag will Bahn-Chef Hartmut Mehdorn das Projekt en détail vorstellen.

Als Testregion hat die Bahn Berlin und Potsdam ausgewählt sowie die ICE-Strecke nach Hannover. 26 Berliner S-Bahnhöfe werden mit einem blauen Sensorkasten ausgerüstet; ebenso alle Bus- und Tramhaltestellen in Potsdam. 2985 Menschen haben sich als Teilnehmer für den Testbetrieb beworben; 200 von ihnen hat die Bahn ausgewählt. Die Tester haben ein Handy mit einem speziellen Chip bekommen, mit dem sie sich identifizieren. Im ICE können die Handys mit den vorhandenen Lesegeräten der Schaffner gelesen werden; auch im Nahverkehr müssten keine neuen Geräte angeschafft werden. Wenn jemand eine Bahncard habe oder 1. Klasse reisen möchte, müsse er dies vorher am Handy einstellen, so die Bahn. Weil die Tester Tram, ICE oder S-Bahn fahren, wird das System flexibel belastet – das sprach für die Testregion. Die zweite Phase startet im Sommer 2008 – dann sind alle 165 S- und 170 U-Bahnhöfe involviert.

Ärgerlich könnte es für jene werden, die sich nicht abmelden. Nach mehreren Stunden werde der Kunde zwar per SMS an sein „Touch Out“ erinnert – im schlimmsten Fall sitzt er dann längst im Ferienhaus und muss fix zurück zum Bahnhof eilen. Hoffentlich ist vorher nicht der Akku alle.André Görke

Das Pilotprojekt im Netz:

www.touchandtravel.de

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