ILA : Luftschau ohne Startbahn

Noch immer ist kein Finanzier für die ILA gefunden. Die Kosten sollen sich auf 60 Millionen Euro reduzieren.

Klaus Kurpjuweit

Berlin / Schönefeld - Leipzig lockt die ILA. Die prestigeträchtige Internationale Luft- und Raumfahrtausstellung soll zwar weiter in Schönefeld stattfinden – doch das wird teuer. Gelingt es nicht, das Geld aufzutreiben, zieht die Schau wahrscheinlich nach Sachsen. Dort will man sich dazu nicht äußern. Anderen Standorten in Brandenburg räumt man dagegen nur geringe Chancen ein.

Bereits für das nächste Jahr müssen Berlin und Brandenburg zusammen sieben Millionen Euro locker machen, um das sechstägige Spektakel auf der Großbaustelle in Schönefeld halten zu können. Damit die ILA 2012 wiederum auf dem dann eröffneten Flughafen Berlin-Brandenburg International (BBI) stattfinden kann, müssen mindestens weitere 60 Millionen Euro ausgegeben werden. Ursprünglich war die Summe sogar mit 120 Millionen Euro angesetzt. Während 2010 Berlin und Brandenburg das Geld aufbringen wollen, fehlt für 2012 ein Finanzier. Nach wie vor hofft man, private Geldgeber zu finden.

Gegen den Zuschuss für 2010 ist der finanzpolitische Sprecher der Grünen, Jochen Esser. Die Verträge seien am Parlament vorbei geschlossen worden, moniert er. Die Zusatzkosten müsse die Messe übernehmen.

Die Schau findet im nächsten Juni zum letzten Mal im Süden des Flughafenareals statt. Auf dem neuen BBI gibt es dort keinen Platz mehr. Was jetzt dort für die ILA gebaut wird, kann zum großen Teil nur einmal genutzt werden. Provisorisch befestigte Flächen für Flugzeuge oder Parkplätze zum Beispiel. Auch neue Ausstellungs-Chalets sollen gebaut werden; die alten mussten weichen, um Rollwege für den BBI bauen zu können. Immerhin kann der Flughafen aber vom Einebnen des Geländes profitieren, das für die ILA erforderlich ist.

Von 2012 an soll die ILA bei Selchow im Westen des Flughafens stattfinden, wo unabhängig von der ILA ein neuer S-Bahnhof gebaut wird. Den Nordbereich am heutigen Terminal hat die Flugbereitschaft der Bundesregierung für sich reklamiert; dort entsteht der neue Regierungsterminal. Ursprünglich war für die ILA ein Standort innerhalb des Flughafenbereichs vorgesehen. Das Betonieren der Fläche und der Bau neuer Hallen waren hier mit Kosten in Höhe von rund 120 Millionen Euro veranschlagt.

Nach neuesten Plänen soll die Schau nun außerhalb des Flughafens angesiedelt werden. Innerhalb des Flughafens müsste nur der Bau eines Rollweges vorgezogen werden, den die Flughafengesellschaft derzeit noch nicht braucht und deshalb auch nicht bauen will. Die Kosten könnten dann auf rund 60 Millionen Euro sinken, wobei es Zuschüsse vom Bund und der EU geben kann.

Für Messe-Direktor Stefan Grave wäre das Geld gut angelegt. Denn das ILA-Gelände soll das ganze Jahr über für Ausstellungen oder Messen genutzt werden – als Ergänzung und nicht als Konkurrent zu den Anlagen am Funkturm, wie Grave sagt. Dort sei das Gelände so gefragt, dass es zu verschiedenen Zeiten, besonders im Frühjahr und Herbst, fast keine freien Termine mehr gebe.

Am BBI-Flughafen könnten sich neue Veranstaltungen etablieren, sagt Grave, die auch von der Nähe zum neuen Airport profitieren würden. Vor allem für eintägige Buchungen gebe es einen Markt, ist der Messe-Chef überzeugt.

Auch der Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI) will als Mitveranstalter die ILA bei Berlin behalten. Die Nähe zum Regierungssitz sei für politische Kontakte wichtig, sagt BDLI-Sprecher Christopher Bach. Nach Greves Angaben will auch die Mehrzahl der Aussteller am Berliner Stadtrand bleiben. Nur dort kämen Minister in so großer Zahl zur Messe; nur dort seien auch Programme für Botschafter im bisherigen Umfang möglich.

Die Schau sei zudem ein Wirtschaftsfaktor. Sie sei ein Schaufenster für die Luftfahrtunternehmen in Berlin und Brandenburg, sagt der Sprecher der Wirtschaftsverwaltung, Stephan Schulz. Allein 2008 habe die Messe nach Berechnungen des Instituts für Wirtschaftsforschung einen Kaufkraftzufluss von etwa 160 Millionen Euro für die Region gebracht.

Viel Zeit bleibt nicht mehr, um die ILA 2012 planen zu können. Anfang 2010 müsse der Standort festgelegt werden, macht Bach deutlich. Wirtschaftssenator Harald Wolf und sein neuer Brandenburger Kollege Ralf Christoffers wollen die ILA in Schönefeld behalten. „Die Situation ist aber ernst“, sagt Christoffers. Für Esser dagegen ist die Lage klar: Millionenausgaben nur für eine Messe, die es alle zwei Jahre gebe, seien nicht gerechtfertigt. Sollten bei Selchow weitere Messen stattfinden, werde der Standort am Funkturm „kannibalisiert“, was Irrsinn sei. Bei dem Preis müsse die ILA eben sterben.

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