Der Tagesspiegel : Im Innern der Plüschpute

„Wir sind die Messe“ (4): Der Mann im Maskottchen

-

Damit die Grüne Woche reibungslos über die Bühne geht, ist hinter den Kulissen viel Planung und Organisation nötig. Bis zum 28. Januar stellen wir täglich einen Menschen vor, der mit seiner Arbeit die Messe zu dem macht, was sie ist: Anziehungspunkt für hunderttausende Besucher.

„Ich war auch schon mal eine Porreestange vor dem Brandenburger Tor“, erzählt Florian Reiners, der bis zum Hals in einem voluminösen Putenkostüm steckt. Den riesigen Plüschkopf mit dem leuchtend roten Kamm hält er gerade mit beiden Armen vor der Brust fest.

Der 30-Jährige gehört wahrscheinlich zu den meistfotografierten Menschen auf der diesjährigen Grünen Woche. Verkleidet als „Paul, die Pute“ lässt er sich mit Besuchern knipsen, die ihre Bilder dann später im Internet finden können – eine Werbeaktion eines Standes auf dem Erlebnisbauernhof in Halle 3.2. „Alle zwei Minuten machen wir ein Bild. Die Leute sind ganz verrückt danach“, sagt er und wischt sich den Schweiß von der Stirn. Ob es so heiß ist in dem gefederten Panzer? „Noch schlimmer, als man sich das vorstellt“, sagt Reiners. „Das ganze Kostüm ist mit Schaumstoff ausgepolstert. Ich bin nämlich eigentlich zu dünn dafür.“ Und noch ein Problem gibt es: auf die Toilette kann er in dem Aufzug auch nicht gehen. „Dann verzichte ich halt in den sieben Stunden, in denen ich verkleidet bin, auf meinen Kaffee.“

Trotz der Hitze macht dem Mann, der sich mit den Kostümeinsätzen ein wenig Geld verdient, bis er einen Studienplatz bekommt, der Messejob Spaß. „Das Geld stimmt, und die Figur kommt auch gut an“, erzählt Reiners. Bei anderen Verkleidungen war das nicht immer so. „Ich war mal für eine Bank als Fuchs verkleidet, und vor dem hatten die kleinen Kinder alle Angst und liefen weinend zu ihren Eltern“, erinnert er sich. „Den Fuchs mochte keiner.“ Dass hätten die größeren Kinder zum Anlass genommen, ihn zu schubsen und an seinem Kostüm herumzuziehen, berichtet er. „Das kann ganz schön nerven. In einer derart dicken Verpackung ist man nämlich alles andere als mobil.“

Auch deshalb freut er sich, dass der Puter so beliebt ist. Jagd auf Nervensägen könnte er in dem Geflügelkostüm gar nicht machen. Nicht in dem lustigen Watschelgang, zu dem ihn die Verkleidung zwingt. mho

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben