Der Tagesspiegel : Im Land der billigen Zapfhähne

Seit die Spritpreise steigen, tanken immer mehr Deutsche in Polen. Und kaufen dort auch gleich ein

Claus-Dieter Steyer

Frankfurt (Oder) – Im Osten ist es billiger, je weiter östlich, desto niedriger der Preis: In den polnischen Grenzstädten kostete der Liter Super gestern 4,48 Zloty, umgerechnet 1,12 Euro – 30 Cent weniger als in Deutschland. Bei einer Tankfüllung sind das zwischen zehn und 15 Euro Ersparnis. Entsprechend groß ist seit Tagen der Andrang an den Zapfsäulen in Slubice, Küstrin oder Hohenwutzen. Teilweise mussten Autofahrer zwischen 20 und 30 Minuten warten. Allerdings fiel auf, dass die Tankstellen unmittelbar hinter der Grenze vor allem von Autofahrern mit Berliner Kennzeichen angesteuert wurden. Die Bewohner des Grenzgebietes fahren einige Kilometer weiter nach Osten. Da ist der Sprit noch um drei bis vier Cent billiger – allerdings gibt es dort keine Markenstationen von Aral, Shell oder Jet.

Von den Tanktouristen aus Deutschland profitieren nicht nur die Tankstellen, sondern die schon tot gesagten Billigmärkte. Hier läuft das Geschäft insbesondere beim Verkauf von Zigaretten gut, die im Vergleich zu Deutschland rund ein Drittel weniger kosten. Außerdem kaufen die deutschen Besucher Getränke, Käse und Süßwaren. Ganz eiserne Sparer gehen in Polen auch schnell noch zum Friseur, eine Dienstleistung, die dort 75 Prozent billiger ist. Und das auch bleibt. Anders als die Spritpreise: Im Laufe der Woche wird nach Auskunft von polnischen Tankstellenbetreibern mit Preiserhöhungen gerechnet. Allerdings konnten sie nicht sagen, wie hoch diese ausfallen werden. Sie dürften jedoch kaum noch große Sprünge machen, weil sich schon jetzt viele einheimische Autofahrer die Preise nicht mehr leisten können.

Flaute herrscht dagegen bei den Tankstellen im deutschen Grenzgebiet. Wegen des fehlenden Wettbewerbs mit freien Stationen liegen die Preise hier sogar noch um zwei bis drei Cent über dem Berliner Niveau. Ein Drittel der rund 50 Stationen im brandenburgischen Hinterland der deutsch-polnischen Grenze steht vor der Schließung, schätzt der Tankstellenverband. Schon nach dem Wegfall der Zollkontrollen nach dem EU-Beitritt Polens am 1. Mai 2004 und dem Ende der Wartezeiten waren die Umsätze in den grenznahen deutschen Tankstellen um 50 bis 60 Prozent zurückgegangen. Wer nicht tankt, kauft hier auch keine Zigaretten, Süßwaren oder Getränke. Im Shop-Geschäft fiel der Umsatz daher im Schnitt um 40 Prozent.

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