IM-Tätigkeit : Welzower Bürgermeister muss gehen

Die Abwahl erfolgte mit großer Mehrheit: 73 Prozent der Welzower Bürger wollten den Mann mit Stasi-Vergangenheit nicht mehr im Amt sehen.

Sandra Dassler
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Reiner Jestel

Welzow - Der mit Spannung erwartete Bürgerentscheid über die Abwahl des Stadtoberhaupts von Welzow endete am gestrigen Sonntag mit einem eindeutigen Ergebnis: Für die Abwahl von Bürgermeister Reiner Jestel (parteilos) sprachen sich 1364 wahlberechtigte Bürger aus, das sind 73 Prozent der abgegebenen Stimmen. 504 Wahlberechtigte wollten, das Jestel bleibt. Nach Auskunft der stellvertretenden Wahlleiterin Martina Fisser beteiligten sich 50,7 Prozent der 3697 wahlberechtigten Welzower an der Abstimmung.

Wie berichtet, hatten sich im Dezember vergangenen Jahres 14 von 16 Stadtverordneten für die Abwahl Jestels und einen entsprechenden Bürgerentscheid ausgesprochen. Vordergründig geht es dabei um die von dem 61-jährigen verschwiegene Zusammenarbeit mit dem DDR-Staatssicherheitsdienst. Jestel soll laut Auskunft der Birthler-Behörde jahrelang als inoffizieller Mitarbeiter (IM) tätig gewesen sein. Er selbst behauptet, dazu gezwungen worden zu sein. 1998 hatte Jestel, damals noch Stadtverordneter, unterschrieben, nie für die Stasi gearbeitet zu haben. 2003 war er zum Bürgermeister gewählt worden.

Die Stadtverordneten und viele Einwohner werfen ihm deshalb „arglistige Täuschung“ vor. Andere wollen ihn nicht wegen der Stasi-Tätigkeit, sondern wegen seiner angeblichen „Inkompetenz“ abwählen. Der Bürgermeister muss gehen, wenn die Mehrheit der Welzower, aber mindestens 25 Prozent der Einwohner, dafür stimmt – diese Bedingung ist erfüllt. Das amtliche Endergebnis wird heute bekanntgegeben.

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