Der Tagesspiegel : Im Wohnzimmer mit Blur Die Britpopper spielten bei Fritz

Christian Hönicke

„Hi, wir sind in Berlin?“, fragt Damon Albarn auf deutsch. Nicht ganz. „Potsdam? Ah, alles klar.“ Genauer gesagt befinden sich Albarn und seine Band Blur in den ORB-Studios in Babelsberg, wo sie am Montag eines von weltweit nur vier Konzerten vor ihrer Tour im Spätsommer geben. Nur in Tokio, Paris und Madrid werden Blur vorher noch spielen. Die Hörprobe für das in Kürze erscheinende Album „Think Tank“ ist eine exklusive Veranstaltung: Im gut 60 Quadratmeter kleinen Tonstudio geben die Britpopper den nach eigenem Bekunden „wahrscheinlich kleinsten Gig“ der Bandgeschichte. Nur rund 100 ausgewählte Zuhörer des Radiosenders Fritz sind dabei.

Die meisten der siebzehn Lieder taugen ohnehin nicht zum Stadionrock. Sie stammen vom neuen Album und versprühen einen spröden, fast kauzigen Charme, sind bei weitem nicht so eingängig wie frühere Werke. Ausufernde Gitarrenparts und schräge Elektroniktöne füllen das kleine Tonstudio bis in die letzte Ecke. So entwickelt sich schnell eine intime Atmosphäre. Das liegt auch an Damon Albarn. Vor allem bei den alten Hits schreit, tobt und springt er zwischen die Fans und singt mit ihnen. Eineinhalb Stunden lang ist der Rockstar zum Greifen nah, als säße er auf der Wohnzimmercouch. Dann ist alles zu Ende, und Blur sind weg. Doch in der Woche vor dem Start des neuen Albums am 5. Mai wird bei Fritz täglich ein Lied vom Konzert zu hören sein, nach der Veröffentlichung dann der komplette Gig .

0 Kommentare

Neuester Kommentar