Der Tagesspiegel : Immer mehr Öko-Touren

Lust-auf-Natur-Programm auch 2003 / Debatte um Kurtaxe

Claus-Dieter Steyer

Schwedt. Radelnd beendete Brandenburg am Wochenende das internationale Jahr das „Öko-Tourismus“ – mit einer zweitägigen Tour durch den Nationalpark „Unteres Odertal“, auf der Umweltminister Wolfgang Birthler (SPD) selbst in die Pedale trat und hinterher von einem „beeindruckenden Erlebnis“ sprach. Die 54 Angebote zu Wanderungen, Schiffs- und Kremserfahrten oder Radexkursionen in den 15 brandenburgischen Großschutzgebieten hätten seit Anfang März an fast jedem Wochenende Ausflügler in großer Zahl angelockt, sagte Birthler. Deshalb würden die Aktionen unter dem Motto „Lust auf Natur“ auch kommendes Jahr fortgesetzt.

Die Vereinten Nationen hatten das Jahr des Öko-Tourismus ausgerufen, um für einen sorgsamen Umgang mit der Natur zu werben. Derzeit wird weltweit die Zahl der Touristen auf 700 Millionen geschätzt, bis 2020 gehen Prognosen von 1,5 Milliarden aus. Damit sie nicht das zerstören, was sie eigentlich suchen, sollen neue Konzepte für den Massentourismus diskutiert werden. Brandenburg, wo rund ein Drittel der Landesfläche unter Naturschutz steht, bietet noch genügend Platz für Naturentdeckungen aller Art. Vor dem Mauerfall gab es als touristische Ziele lediglich Potsdam, Spreewald, Rheinsberg, Bad Saarow und Buckow in der Märkischen Schweiz, heute ist das ganze Land ein einziges Ausflugziel, 80 000 Menschen haben in der Branche inzwischen einen Job oder eine Teilzeitstelle gefunden. Neue Ideen wie die Skaterbahn bei Luckenwalde, Safaris durch die früheren Tagebaue oder Fahrraddraisinen auf stillgelegten Eisenbahnstrecken haben Brandenburg bundesweit bekannt gemacht. Ebenso gelten die sechs ganz oder teilweise als Kurort anerkannten Städte als Magneten für den Tourismus. Dort wurden im vergangenen Jahr 1,4 Millionen Übernachtungen gezählt. Hinzu kamen nochmals 2,9 Millionen Tagesbesucher. Derzeit gibt es eine Debatte über die Kurtaxe, die dort zu zahlen sei. Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) hat auf eine Reihe von Ausnahmen verwiesen. Der Kreis der Beitragspflichtigen sei eindeutig im Kommunalabgabegesetz geregelt. Danach müssen nur Besucher den zusätzlichen Obolus entrichten, die auch von den für Kur-Zwecke geschaffenen Einrichtungen Gebrauch machen. Entsprechende Regelungen müssen laut Schönbohm die Gemeinden in ihren Satzungen treffen.

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