Der Tagesspiegel : Immer wieder sonntags… sprudelt die Kaskade in Sanssouci

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Von Helmut Caspar

Potsdam. Der Park von Sanssouci hat eine neue Attraktion. Unterhalb des Ruinenberges, vis à vis vom Sommerschloss Friedrichs des Großen, murmelt eine Quelle über ein künstliches Felsengebirge. Die Kaskade war vor einem halben Jahrhundert zerstört worden und seither trocken. Jetzt erst konnte sie anhand alter Fotos und in der Umgebung gefundener Steine rekonstruiert werden. Die Kosten für die Inbetriebnahme der Kaskade, die in einem halbrunden Wasserbecken endet, beliefen sich auf rund 180 000 Euro. Ab heute soll der Wasserfall jeweils an Sonn- und Feiertagen angestellt werden.

Gespeist wird der Sprudel aus dem großen Becken, das Friedrich der Große Mitte des 18. Jahrhunderts in einer romantischen Kulissenarchitektur für eine Fontäne unterhalb seines Sommerschlosses anlegte. Friedrich der Große, sonst ein sparsamer Mann, bot seinen ganzen Ehrgeiz auf und gab sehr viel Geld aus, um im Park von Sanssouci eine Fontäne springen zu sehen. Mit geringem Erfolg, denn nur einmal, anno 1757, hatte er diesen königlichen Spaß, als sich ein dünner Strahl aus dem Becken unterhalb seines Sommerschlosses für wenige Minuten in die Lüfte erhob. Das auf mühsamem Weg in das große Becken auf dem Ruinenberg gepumpte Nass, zum Teil geschmolzener Schnee, reichte für eine richtige Fontäne, wie man sie in Versailles und anderen bedeutenden Schlossanlagen besaß, nicht aus.

Erst Friedrich Wilhelm IV. hatte 1843 das Vergnügen, einen kräftig in die Luft steigenden Strahl zu sehen, nachdem das riesige Becken auf dem Ruinenberg mit Hilfe einer Borsigschen Maschine aufgefüllt war. Die mit Dampfkraft angetriebene Pumpe schaffte Havelwasser aus der Neustädter Bucht nur ein paar Kilometer weiter in das große Reservoir mitten auf dem Ruinenberg. Man konnte sogar einen Schritt weiter gehen, denn die damals neueste Technik erlaubte es, überall im Park weitere Springbrunnen und Wasserläufe einzurichten. Auch heute werden die vielen Fontänen und Bäche von jenem Wasser gespeist, das auf dem Ruinenberg mit Hilfe leistungsfähiger Dieselaggregate gepumpt wird.

Michael Seiler, Gartendirektor der Preußischen Schlösserstiftung, weist daraufhin, dass die Rekonstruktion der Kaskade Teil der schon seit Jahren laufenden denkmalpflegerischen Wiedergewinnung des Ruinenberges mit seinem historischen Wegesystem und den romantischen Bauten ist.

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