Immobilien : Brandenburg baut ab

Weil die Vermieter zunehmenden Leerstand fürchten, sollen bis 2010 mehr als 11.000 Wohnungen abgerissen werden.

Klaus Kurpjuweit
Abriss in Prenzlau
Ein Plattenbau in Prenzlau (Uckermark) wird abgerissen. -Foto: ddp

PotsdamDer Abriss von Wohngebäuden in Brandenburg geht weiter. Bis 2010 wollen allein die Mitglieder des Verbandes Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) weitere 11 200 Wohnungen in Plattenbauten plattmachen lassen. Bisher sind etwa 37 000 leerstehende Wohnungen abgerissen worden, 31 000 davon bei BBU-Unternehmen. Bis 2030 könnten in den Randgebieten des Landes weitere 150 000 Wohnungen dauerhaft unbewohnt sein, befürchtet BBU-Vorstandsmitglied Ludwig Burkardt. Im Brandenburger Infrastrukturministerium hält man diese Zahl für zu hoch. Seriöse Vorhersagen für einen so langen Zeitraum seien nicht möglich.

Mit dem Abriss der Häuser reagieren die Wohnungsunternehmen auf die sinkende Einwohnerzahl vor allem fern des Berliner Umlands. Bereits ab 2010 müsse mit einer „zweiten Leerstandswelle“ gerechnet werden, sagte Burkardt gestern. Deshalb gebe es „zu einer Fortsetzung des Stadtumbau-Ost-Programms mit seinen Komponenten Abriss und Aufwertung keine Alternative“.

Die meisten Wohnungsabrisse bei den BBU-Unternehmen soll es in Frankfurt (Oder), Cottbus, Brandenburg (Havel) sowie Eberswalde geben. In Frankfurt (Oder) sollen bei einer Leerstandsquote von 18,6 Prozent gut 1700 Wohnungen „vom Markt“ genommen werden, in Cottbus sind es bei einem Leerstand von 15,3 Prozent knapp 1500, in Brandenburg (Havel) fast 700 (Leerstand 17,1 Prozent) und in Eberswalde etwa 300 Wohnungen. Dort beträgt die Leerstandsquote bei den BBU-Unternehmen 14,6 Prozent.

Insgesamt hat das Infrastrukturministerium 32 Kommunen in das „Stadtumbauprogramm“ aufgenommen. Nach Angaben des Ministeriums wurden für den Abriss bisher rund 162 Millionen Euro als Zuschuss bewilligt; aus Mitteln des Bundes, des Landes und der Kommunen stehen bis 2009 noch rund 400 Millionen Euro bereit, mit denen der Abriss sowie die Aufwertung unterstützt werden sollen, teilte das Ministerium mit.

Durch das Abtragen von Wohngebäuden entstünden oft Freiflächen, die dann als Spiel- oder auch als Wäschetrocknungsplatz genutzt werden könnten, sagte der Sprecher des Infrastrukturministeriums, Lothar Wiegend. So werde die Umgebung der Häuser, die erhalten werden, aufgewertet.

Eine Alternative zum Abriss gebe es nicht. Angesichts von etwa 150 000 ungenutzten Wohnungen zu Beginn des neuen Jahrtausends hatten Experten vorgeschlagen, ein Drittel davon plattzumachen. So sollte der Wohnungsmarkt stabilisiert werden.

Inzwischen sei man „auf einem guten Weg“, sagte Infrastrukturminister Reinhold Dellmann (SPD). Durch die Abrissförderung sei der Wohnungsleerstand in den vergangenen Jahren deutlich gesenkt worden – landesweit von 20,1 Prozent im Jahr 2003 auf 17,1 Prozent. Rechnerisch ging so die Leerstandsquote in Guben von 22,5 Prozent auf 15,3 Prozent zurück, in Wittenberge verringerte sie sich von 22,7 Prozent auf 20,9 Prozent und in Cottbus von 15,8 Prozent auf 11,5 Prozent.

Weichen müssen in der Regel Häuser, aus denen die meisten Mieter bereits ausgezogen sind. „Wir achten hier auf die Abstimmung mit den Füßen“, sagte Wiegand. Verbleibende Mieter müssten dann umziehen, was nicht immer einfach sei.

Beim Abriss arbeite man sich vom Stadtrand aus nach innen zum Zentrum vor. Dabei verschwänden, wie zum Beispiel in Schwedt, auch komplette Straßenzüge. In der Regel seien es aber einzelne Blocks, die zertrümmert werden, sagte Wiegand. Auch die anderen ostdeutschen Bundesländer hätten diesen Weg beschritten, um die Leerstandsquote zu senken.

Für die Wohnungsunternehmen lohnt sich der Abriss. Durch den Abriss verschaffe man sich Finanzierungsspielräume, sagte Burkardt. Für jeden Euro Abrissförderung hätten die Unternehmen acht Euro an eigenen Mitteln in die Aufwertung der bleibenden Gebäude investieren können – seit 2002 mehr als 800 Millionen Euro.

Dagegen ist am Abriss der Häuser selbst nichts zu verdienen. Wiederverwerten lasse sich nur wenig, heißt es beim BBU. Vereinzelt sei es gelungen, aus den intakten Plattenteilen Einfamilienhäuser zu errichten; dies seien aber Ausnahmen gewesen. Von den meisten Wohnungen, die einst heiß begehrt waren, bleibt nur Schutt übrig.

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