Immobilien für Millionen : Investor Semmelhaack wehrt sich gegen Günther Jauch

Unternehmer Theodor Semmelhaack reagiert mit Unverständnis auf die Anschuldigungen des Moderators Günther Jauch, wonach die Stadt Potsdam ihn bei der Privatisierung von Immobilien bevorzugt habe.

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Potsdam - Die Vorwürfe des Fernsehjournalisten Günther Jauch, die Stadt habe bei der Privatisierung von Immobilien den Unternehmer Theodor Semmelhaack bevorzugt, sorgen in Potsdam für Aufregung. Das Rathaus erneuerte am Donnerstag das Dementi, das Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) bereits nach ersten Veröffentlichungen in der Immobilienaffäre abgegeben hatte: Es sei bei den Privatisierungen im Jahr 2000 nicht zu Unregelmäßigkeiten gekommen. Unklar ist weiter, wer die strittigen Verkaufsverfahren eingefädelt und abgesegnet hat.

Jauch hatte in einem Schreiben an Oberbürgermeister Jakobs Ende September angeprangert, dass die städtische Wohnungsbaugesellschaft Gewoba im Jahr 2000 rund 1050 Wohnungen in 100 Immobilien „unter Bedingungen, die nahelegen, dass außer Herrn Semmelhaack kein anderer beim Erwerb zum Zuge kommen sollte“ veräußert habe. Die Gewoba hatte die rund 100 Immobilien in zwei Paketen angeboten. Statt sich dabei an EU-Regeln für transparente Bieterverfahren zu orientieren, bot die Gewoba das erste Grundstückspaket sechs selbst ausgewählten Unternehmen an, das zweite schrieb sie mit einer einzigen Anzeige aus. Zuvor war der Wert der Immobilien nur pauschal ermittelt worden, teils ohne Besichtigung der Objekte.

Jauch, der in Potsdam eine Reihe von Immobilien besitzt – darunter zahlreiche aufwendig sanierte Denkmale – meldete sich als Bürger und Investor bereits 2009 mit Zweifeln an dem Privatisierungsverfahren bei Oberbürgermeister Jakobs und dem Gewoba-Chef Horst Müller-Zinsius. Semmelhaack habe ihm Immobilien angeboten, die zehn Jahre zuvor im Besitz der Stadt gewesen waren. Aus dem Schreiben geht hervor, dass sich Jauch schon um das Jahr 2000 als Potsdamer Investor bei der Gewoba gemeldet und gebeten hatte, ihn bei öffentlichen Ausschreibungen zu informieren. Das geschah offenbar nicht. Semmelhaack zahlte 26,3 Millionen Euro für beide Pakete, die Stadt gewährte einmal zehn, einmal 20 Prozent Preisabschlag.

Zudem sieht Jauch eine Ungleichbehandlung von Investoren: Während Semmelhaack ohne Sanierungsverpflichtung kaufen konnte, hätten Stadt und Gewoba ihm selbst harte Auflagen erteilt. Semmelhaack dagegen habe später unsanierte Gebäude mit Gewinn weiterveräußert.

Es ist nicht das erste Mal, dass Jauch auf Missstände im Potsdamer Rathaus aufmerksam macht. 2007 hatte er Willkür und Schikane des Bau- und Denkmalamtes kritisiert. Ein von Oberbürgermeister Jakobs in Auftrag gegebener Prüfbericht des Berliner Baurechtlers Ulricht Battis hatte festgestellt, dass Ungleichbehandlung von Investoren keine Einzelfälle waren. Geltendes Recht sei willkürlich angewandt worden, befand Battis.

Unternehmer Semmelhaack begegnet den Vorwürfen von Jauch mit Unverständnis. Zu den Umständen der Verkaufsverfahren äußerte er sich nicht. Diese habe die Gewoba bestimmt. Semmelhaack bestätigte jedoch, dass die Gewoba ihm keine Sanierungsauflagen gemacht habe: „Aber wir haben saniert und dafür das Doppelte des Kaufpreises investiert.“ Er habe weniger als zehn Prozent der Häuser aus den Gewoba-Paketen weiterveräußert. Semmelhaack betonte, er habe mit den Gewoba-Paketen „Streubesitz“ in der ganzen Stadt erworben, samt damals 30 Prozent Leerstand. „Allein die Sanierung der Plattenbauhochhäuser am Humboldtring kostete zehn Millionen Euro – wären andere bereit gewesen, das zu machen?“, fragt Semmelhaack.

Eine Frage, auf die auch Jauch gern eine Antwort hätte. Sabine Schicketanz

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