Der Tagesspiegel : In Beelitz arbeiten, in Polen zahlen

Erstmals müssen Bauern für polnische Spargelstecher Sozialabgaben entrichten

Claus-Dieter Steyer

Beelitz - Die Beelitzer Spargelbauern haben Wort gehalten. Trotz des langen Winters eröffneten sie in der vergangenen Woche pünktlich die diesjährige Saison. Am Wochenende reichten die Erträge sogar schon für die vielen Kunden in den Spargelhöfen, in den Restaurants und an den fliegenden Verkaufsständen.

Bis zum 24. Juni wächst das edle Gemüse im größten zusammenhängenden Anbaugebiet Deutschlands auf rund 2000 Hektar. Weitere 400 Hektar befinden sich im Havelland, in der Lausitz, in der Prignitz und im Oderland. Insgesamt liegt Brandenburg im Deutschland-Vergleich auf Rang drei hinter Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen.

Agrarminister Dietmar Woidke (SPD) spricht von einem „kleinen Wirtschaftswunder“, beschränkte sich die Anbaufläche 1990 doch nur auf zehn Hektar. Kartoffeln und Getreide waren zu DDR-Zeiten wichtiger. In diesem Jahr sind die Landwirte ganz besonders auf gute Erträge angewiesen. Denn für die 2000 polnischen Saisonarbeiter, die vier Fünftel aller Erntehelfer ausmachen, müssen erstmals Sozialabgaben an den polnischen Staat abgeführt werden. 47 Prozent vom Stundenlohn, der ohne Leistungszuschläge bei knapp vier Euro liegt, sind für die Sozialversicherung zu zahlen. Von diesen 47 Prozent müssen die Erntehelfer 20 Prozent und die Spargelbauern 27 Prozent tragen. Ausnahmen gelten nur für Hausfrauen, Studenten und Rentner.

„Das stellt uns vor einige Probleme“, sagte Jürgen Jacobs, der mit seinem Bruder Josef den Spargelhof in Schäpe führt. „Wir müssen den Stundenlohn erhöhen, damit sich die Arbeit für die Erntehelfer lohnt.“ An den Käufer könne man die zusätzlichen Aufwendungen kaum weitergeben – höchstens 20 bis 30 Cent pro Kilogramm, sagte Jacobs. Sonst hätten die Brandenburger im Konkurrenzkampf mit Spanien, Griechenland, Frankreich und Osteuropa keine Chance. Diese Länder brauchen keine zusätzlichen Abgaben zu zahlen.

Alle Versuche scheiterten, auf Regierungsebene eine Einigung über den Erlass der Sozialabgaben zwischen Polen und Deutschland zu erzielen. Warschau stellte sich stur, nachdem die Bundesregierung die Abschottung des einheimischen Arbeitsmarktes für polnische Arbeiter über das Jahr 2007 hinaus verlängert hatte. Nur zehn Prozent der Spargelstecher kommen aus Deutschland. Die Versuche der Arbeitsagenturen, diese Quote auf 20 Prozent zu erhöhen, führten zu keinem Erfolg. „Es gibt einfach zu wenige deutsche Bewerber“, sagt Manfred Schmidt, Chef des Beelitzer Spargelvereins. Ein Kilogramm Beelitzer Spargel kostet derzeit zwischen sechs und zehn Euro. Die Preise dürften sich noch nach unten bewegen. Die ausländische Konkurrenz bietet das Kilogramm Spargel schon für die Hälfte an.

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