Der Tagesspiegel : In der Sportstunde geht’s zum Golf

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Spreenhagen. Erst guckt er, dann holt er aus, schwingt den Golfschläger über sein linkes Schulterblatt und schlägt ihn gegen die kleine Kugel. Der Ball trifft den schwarzen Zielpunkt im wenige Meter entfernten igluartigen Zelt. Geschafft. „Golf sieht viel einfacher aus, als es ist“, sagt Patrick Kubelt, Schüler aus der 9b der Gesamtschule Spreenhagen. Kurz darauf trifft sein Mitschüler Mathias Böhm das Ziel. Er will „mal an einem richtigen Wettkampf teilnehmen“, sagt er. Denn: „Golfen ist wirklich toll.“

Patrick und Mathias spielen jede Woche Golf. Gemeinsam mit 28 anderen Schülern haben sie sich an der Gesamtschule Spreenhagen für diesen Sport als Wahlpflichtfach entschieden. Bereits vor sechs Jahren erarbeitete das Kollegium Lehr- und Zensurenpläne, sprach mit dem Schulamt, knüpfte Kontakte zum wenige Kilometer entfernten Golfclub in Bad Saarow und zur Vereinigung clubfreier Golfspieler. Seit Herbst 1996 ist Golf aus dem Schulalltag nicht mehr wegzudenken. Für die Klassen eins bis sechs gibt es die Schulsport AG Golf, für die siebten und achten Klassen werden Golfprojekte angeboten und in den Stufen neun und zehn steht Golf als Wahlpflichtfach im Stundenplan.

Viele Schulen bieten inzwischen exotische Sportarten an. So können Schüler an der Gesamtschule Neustadt/Dosse Unterricht im Reiten bekommen. Laut Bildungsministerium haben Schüler zudem an der Gesamtschule Elsterwerda die Chance, das Fach „Zirkus“ zu belegen und in der Gesamtschule Werneuchen (Barnim) ist „Akrobatik“ auf dem Stundenplan zu finden. „Normalere“ Sportarten wie Fußball, Gewichtheben oder Kanu werden an den vier sportbetonten Gesamtschulen angeboten.

„Wir begrüßen es, wenn Schulen durch ein eigenes und oft ganz spezielles Programm ihr Profil stärken“, sagt dazu Bildungsminister Steffen Reiche (SPD). „Damit kann Schule attraktiver gemacht und die Lust der Schüler gefördert werden.“ Der Spreenhagener Sportlehrer Rainald Bierstedt ergänzt, dass man zum Glück erkannt habe, dass Golfen auch erzieherisch wirkt. Etwa in puncto Konzentration. Auch spielten Bewegungslehre aus der Physik, biomechanische Abläufe aus der Biologie und Englisch als Golfsprache eine wichtige Rolle.

Die Gemeinde Spreenhagen unterstützt das Golfprojekt mit rund 6000 Euro pro Jahr. Die Vereinigung clubfreier Golfspieler gibt ebenfalls Geld, mit dem Ausrüstung und Fachtrainer bezahlt werden. Regionale Autohäuser kümmern sich um den Transport der Schüler, der Palmerston Golf Resort Sporting Club Berlin stellt in Bad Saarow Golfplätze und Trainer zur Verfügung. Lehrer Bierstedt betont: „Am Schulfach Golf müssen sich die Eltern nicht beteiligen, nur wer sein Kind zur Golf AG schickt, muss pro Jahr 50 Euro überweisen.“ dpa

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